Bundespräsident Steinmeier: Kryptowährungen sind Wettspiele

Der Bundespräsident hat sich im Rahmen einer Festveranstaltung zum 100-jährigen Bestehen der DekaBank vor rund 1000 Gästen zum aktuellen Boom bei Kryptowährungen geäußert. “Wenn ich mir den Kursverlauf von Kryptowährungen anschaue, sehe ich keine Währung, sondern Wettspiele”, sagte Steinmeier bei dem Festakt in Frankfurt und mahnte eine kritische Debatte über den Fintech-Bereich an.

Finanzbranche muss der Realwirtschaft dienen

Neue Geschäftsmodelle im Fintech-Bereich böten zwar große Chancen. Die Finanzbranche müsse aber immer der Realwirtschaft dienen. Eine Analyse, welche neuen Technologien wirklichen gesellschaftlichen Nutzen brächten, sei deshalb erforderlich. “Wo beginnt reine Finanzmagie, die am Ende verpufft und Kleinanlegern schadet?”, warnte der Bundespräsident, und wies auch auf die Bedeutung von Kryptowährungen für die organisierte Kriminalität hin. Es müsse gefragt werden, inwiefern sich Kryptowährungen der Aufsicht und Steuerung von Zentralbanken entzögen und dadurch Geldwäsche, Steuerhinterziehung und andere rechtswidrige Geschäfte ermöglichten.

Zunehmende Kritik an Kryptowährungen

Steinmeier ist mit seiner Kritik an Bitcoin und Co. nicht alleine. Im Verlauf der jüngsten Rally und dem aktuellen Crash bei Kryptowährungen und sich häufenden Meldungen von Diebstahl und Betrugsfällen melden sich vermehrt kritische Stimmen zu Wort. So hat etwa die Deutsche Bank jüngst vor Investments in Kryptowährungen abgeraten und vor "einem realistischen Risiko des Totalverlusts" gewarnt. Und Facebook hat auf verstärkten Missbrauch seiner Dienste im Rahmen von ICOs mit einem Komplettverbot von Werbeanzeigen zu Kryptowährungen reagiert.

Die spekulative Natur von Kryptowährungen und damit zusammenhängende Betrügereien sind jedoch nicht die einzige Gefahr für deren langfristigen Erfolg. Finanzmarktexperten wie Professor Dr. Peter Scholz von der Hamburger School of Business Administration (HSBA) sehen Kryptowährungen verstärkt in Konkurrenz zu klassischen Währungen und erwarten deshalb weiter zunehmende Regulierung oder gar Verbote. "Die Neigung, Kryptowährungen zu verbieten, um auch die Steuereinnahmen zu sichern und die Kontrolle zu behalten, wird sicherlich noch zunehmen", so Scholz in einem Interview für procontra. 

Verbote von Kryptowährungen sind bereits in aller Munde und führen regelmäßig zu großen Verwerfungen auf dem sehr volatilen Markt, wie jüngst die vom indischen Finanzminister Arun Jaitley Kommentare zu einer möglichen Bitcoin-Regulierung. In manchen Ländern wie etwa Russland ist der kommerzielle Handel von Kryptowährungen verboten, was dazu führt, dass Fintech-Unternehmen ihr Krypto-Geschäft in andere Länder verlagern. So will etwa die russische Sberbank eine Handelsplattform für Kryptowährungen in der Schweiz aufbauen.

  • Folgen Sie uns auf: