Präsident der Deutschen Bundesbank: Facebook Libra macht Notenbanken nicht überflüssig

Der Präsident der Deutschen Bundesbank Jens Weidmann sieht die Unabhängigkeit der Notenbanken durch die von Facebook geplante Digitalwährung Libra nicht gefährdet. “Da bin ich, zumindest was den Euroraum angeht, entspannt”, sagte der Ökonom in einem Interview vom 25. August in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. 

Kein Grund zur Sorge, aber...

Zugleich aber müsse man sich über die Risiken solcher Digitalwährungen im Klaren sein. Es gäbe ein Kreditrisiko sowie ein Wechselkursrisiko, wenn das Geld nicht ausschließlich an die Heimatwährung des Nutzers gekoppelt sei. 

"Im Zusammenhang mit Libra ist für mich als Notenbanker die eigentliche Frage, welche Auswirkungen ein solches privates digitales Zahlungsmittel auf die Geldpolitik, die Finanzstabilität und den Zahlungsverkehr hätte, wenn es weit verbreitet wäre".

Zahlungsverkehr verbessern 

Derzeit sei aber völlig offen, ob es dazu komme und wie Libra aussehen werde. Die Digitalwährung habe zwar das Potenzial, zwischenstaatliche Zahlungen schneller und kostengünstiger zu machen und mehr (Schwellen-) Länder einzubinden, doch es gebe auch eine Reihe von Risiken, die besonders den Verbraucherschutz, Geldwäsche und die Sicherheit des Zahlungsverkehrs betreffen. 

Des Weiteren existiere derzeit auch die Notwendigkeit seitens der Zentralbanken, den Zahlungsverkehr weltweit zu modernisieren und weiterzuentwickeln. 

“Die Banken müssen ihren Teil leisten und den Bürgern weiterhin kostengünstige, schnelle und komfortable Zahlungsmöglichkeiten in Euro anbieten. Der Wettbewerb belebt da sicherlich das Geschäft”. 

Bundesbank bleibt angesichts Libra vorerst gelassen 

Burkhard Balz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, sieht bei Facebook Libra ebenfalls überwiegend Vorteile. So könne die Digitalwährung eine gewisse disziplinierende Wirkung auf die Geldpolitik in Schwellenländern haben und Einfluss auf die jeweiligen Zentralbanken ausüben, sagte der Politiker gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung am 27. August. In Industriestaaten wie Deutschland dürfte Libra, meint Balz, jedoch keine signifikante Rolle spielen.

Stabilität und Regulierung haben für Balz oberste Priorität, daher fordert der Politiker die Definition von politischen Leitlinien für Facebook Libra – vor allem im Rahmen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und der G-7- oder der G-20-Staaten.