Deutsche Wirtschaftsverbände BDOA und HDE fordern digitalen Euro

Der Handelsverband Deutschland (HDE) und der Bundesverband der Dienstleister für Online-Anbieter (BDOA) haben in einem am 29. November veröffentlichten Positionspapier die Einführung eines digitalen Euro gefordert.

Alternative zu globalen Zahlungssystemen

Das Eurosystem sollte die Möglichkeiten eines digitalen Euros “intensiv prüfen und Vorschläge zur Umsetzung machen”, heißt es in dem Papier. Im Vordergrund müsse dabei stehen, “die Vorteile des heutigen Bargelds mit den Vorteilen einer digitalen Handhabung zu verknüpfen”. In einer zunehmend digitalen Welt brauche die Wirtschaft “unabhängige Alternativen zu den globalen Zahlungssystemen”, argumentieren die Wirtschaftsverbände. 

Angesichts internationaler Stablecoin-Initiativen gehe es dabei vor allem auch um Planungssicherheit für Unternehmen. In dem Positionspapier heißt es dazu:

“Es gilt nun zu prüfen, ob digitale Zahlungen weiterhin über die etablierten unbaren Zahlungssysteme (sogenannte Payment Schemes) abgewickelt werden oder ob eine digitale Variante des gesetzlichen Bargelds eingeführt werden sollte. Gerade vor dem Hintergrund internationaler Initiativen zu sogenannten Stablecoins und der verfügbaren Blockchain-Technologie stellt sich für weite Teile des Handels und der Wirtschaft die Frage nach Planungssicherheit.”

Die Verbände weisen in diesem Kontext zudem darauf hin, dass “die Tokenisierung von Werten im Nichtbankensektor bereits begonnen” habe. “Tauschmittelfunktion, Rechenmittelfunktion und die Wertaufbewahrungsfunktion” seien schon heute mit digitalen Einheiten möglich. Die künftige Einflussmöglichkeit von Zentralbanken wie der Europäischen Zentralbank (EZB) durch Geldpolitik stellen die Autoren in diesem Bezug in Frage.

In einem gemeinsamen Vorgehen sollten daher Politik, Banken und der Nichtbankensektor über den Besten Weg für die Digitalisierung von Bargeld beraten. Von “staatlich reguliertem digitalem Geld” versprechen sich HDE und BDOA “positive volkswirtschaftliche Einkommenseffekte” und eine verringerte Abhängigkeit von globalen Zahlungssystemen. 

Es sei daher “eine Neubewertung der Frage notwendig, ob eine europäische staatliche digitale Währung auf Basis des stabilen Euros eingeführt werden” sollte.

Immer mehr Befürworter eines digitalen Euros

Ende Oktober hatte sich bereits der Bundesverband deutscher Banken (BdB) in einem Positionspapier für die Schaffung eines digitalen Euros ausgesprochen. Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz steht der Idee eines digitalen Euros offen gegenüber. Die Deutsche Bundesbank sieht aktuell für eine digitale Zentralbankwährung (CBDC) in Europa jedoch keinen Bedarf.