Die deutsche Bundesbank sieht nach aktuellem Stand keine Notwendigkeit für die Einführung einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC) in Europa. Dies berichtete Wallstreet Online am 8. Oktober unter Verweis auf eine Stellungnahme.
Digitaler Euro bringt kaum Vorteile
Das Online-Finanzportal hatte im Kontext der von der deutschen Bundesregierung verabschiedeten Blockchain-Strategie bei der Bundesbank um ein Statement zu digitalem Zentralbankgeld gebeten. Die Bundesregierung hatte in der Blockchain-Strategie angekündigt, das Thema mit der Bundesbank “auszuloten”.
Zur Möglichkeit eines digitalen Euros erklärten die deutschen Zentralbanker gegenüber Wallstreet Online:
“Digitales Zentralbankgeld in dieser umfassenden Variante für die Zahlungsabwicklung bietet aus heutiger Sicht nur geringe erkennbare Vorteile. [...] Aus Sicht der Bundesbank besteht deshalb derzeit keine Notwendigkeit für die Einführung von digitalem Zentralbankgeld in dieser umfassenden Form.”
Die Bundesbank stehe mit dem Bundesfinanzministerium jedoch “im engen Austausch zu den in der Blockchain-Strategie genannten Themen, soweit sie einen Bezug zu den Aufgaben der Bundesbank aufweisen”. Die aktuellen Diskussionen zur Einführung digitalen Zentralbankgeldes sowie entsprechende Überlegungen in anderen Ländern wolle man “intensiv verfolgen”.
Da hinsichtlich des Euro die Kompetenz beim Europäischen System der Zentralbanken liege, könne die Frage nicht von der Bundesbank alleine entschieden werden.
Weidmann sieht Stablecoins generell kritisch
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte zuvor bereits mehrfach seine ablehnende Haltung gegenüber der Idee eines digitalen Zentralbankgeldes deutlich gemacht. Im Mai dieses Jahres warnte Weidmann vor einer dadurch möglichen Destabilisierung des Finanzsystems in Krisenzeiten. Auch unabhängige Stablecoins sieht Weidmann kritisch, will aber Initiativen wie Facebooks Libra-Projekt Zeit einräumen, bis alle Detailfragen geklärt sind.
Bundesfinanzminister Scholz hatte jüngst die Idee eines digitalen Euros befürwortet, Facebook-Libra als Ersatzwährung jedoch abgelehnt.
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