Poloniex gerät in Schwierigkeiten auf Grund von Kundenbeschwerden

Am 25. Juli hat das amerikanische Justizministerium (DoJ) auf besondere Art und Weise sein Interesse an Poloniex — einer im Bundesstaat Delaware ansässigen Kryptobörse — zum Ausdruck gebracht. Craig.Weldon, der Chefermittler der Abteilung für Anlegerschutz (IPU), schickte einer Vielzahl von Poloniex Benutzern Emails, um diese zu befragen, ob sie bisher schon Schwierigkeiten mit ihrem Konto bei der Kryptobörse hatten.

Dieses Vorgehen kam nicht von ungefähr,, den über die letzten paar Monate wurden die Social-Media Seiten und Kundendienst der Börse mit Beschwerden von Nutzern überflutet, die plötzlich nicht mehr auf ihre Konten zugreifen konnten. Das Justizministerium hat sich jetzt vorerst mit Poloniex-Anlegern aus Delaware in Verbindung gesetzt, um das weitere Vorgehen auszuloten.

Kurzbeschreibung von Poloniex

Poloniex wurde 2014 von Tristan D’Agosta gegründet, ein Unternehmer von dem bisher wenig bekannt ist bzw. zu dem online kaum Informationen zu finden sind. Die Kryptobörse hat ihren Sitz in der Stadt Wilmington, die sich wiederum im Bundesstaat Delaware befindet. Laut Daten von Coinmarketcap ist Poloniex nach Größe derzeit die Nummer 30 der Welt mit einem täglichen Handelsvolumen von ca. 54 Mio. $, wobei 98 verschiedene Tokens zum Trading bereitstehen. Im Februar wurde die Börse allerdings noch bedeutend höher eingestuft, so war sie am Ende des Monats noch die Nummer 14 der Krypto-Welt und konnte ein tägliches Handelsvolumen von 140 Mio. $ verzeichnen. Poloniex funktioniert nicht mit normalen Währungen, sondern erlaubt den Nutzern lediglich sogenanntes Margin-Trading, dabei wird mit Fremdkapital gehandelt und nicht mit Eigenkapital.    

Im Februar 2018 wurde Poloniex von dem in Dublin sitzenden Technologie-Unternehmen Circle aufgekauft, für einen Betrag von satten 400 Mio. $. Erwähnenswert ist, dass Circle von Goldman Sachs gestützt wird. Der Wall Street Riese hat 2015 einen Betrag von 50 Mio. $ in das Unternehmen investiert, ähnlich wie andere Wagniskapital-Firmen.

Sean Neville und Jeremy Allaire, Mitbegründer von Circle, hatten bei Bekanntgabe des Deals hervorgehoben, dass sie Poloniex weiterentwickeln wollten, um daraus mehr als nur eine Kryptobörse zu machen:

„Wir stellen uns einen robusten, multidimensionalen, dezentralen Marktplatz vor, der Tokens für alles von Wert herausgeben kann: physische Güter, Eigenkapital, Immobilien, Kreativgüter (z.B.: Kunst, Musik, Literatur), Dienstleistungen, Leihgeschäfte, Kredite, Termingeschäfte und vieles mehr.“

„Zu aller erst können sie davon ausgehen, dass Circle die Kundenbetreuung angeht, das Risiko minimiert, Rechtssicherheit gewährleistet und den technischen Betrieb ausbaut, damit die bestehenden Produkte und Plattformen skaliert werden können“. So die beiden Mitbegründer weiter.

Im März stellte Allaire dann die Pläne vor, Poloniex auf dem asiatischen Markt etablieren zu wollen. Dafür will die Firma mehr als 100 Mitarbeiter aus der Region einstellen.

Offenlegung von Kundendaten

Bisher hat die Kryptobörse kommuniziert, dass sie sich um vollumfängliche Einhaltung der behördlichen Vorschriften bemüht. In einem offenen Brief den D’Agosta im Mai 2015 an die Nutzer der Kryptobörse geschickt hatte, gab er an, dass Poloniex als Finanzdienstleister registriert ist und deshalb an „Regeln und Vorschriften der Behörde für Finanzkriminalität (FinCEN) gebunden ist.“ Folglich fing das Unternehmen an sogenannte Kenne-Deinen-Kunden (KYC) und Anti-Geldwäsche (AML) Maßnahmen einzuführen. Noch im Mai 2015 forderte Poloniex seine Nutzer dann auf ihren vollen Namen und Herkunftsland bei jeder Auszahlung anzugeben. Bei Auszahlungen von mehr als 2.000 $ (innerhalb von 24 Stunden) musste sogar die genaue Adresse und Telefonnummer angegeben werden. Für Auszahlungen von mehr als 7.000 $ innerhalb eines Tages müssen Nutzer sich sogar per Ausweis verifizieren.   

Im Dezember 2017 kündigte Poloniex an, dass die KYC/AML Maßnahmen von nun an strenger gehandhabt werden sollten, dabei wurde angeordnet, dass Langzeitkunden innerhalb bestimmter Zeit einen Verifikationsprozess vornehmen mussten, um „mögliche Probleme bei der weiteren Nutzung der Handelsplattform zu vermeiden.“ Eine konkrete Frist wurde nicht benannt, allerdings sollte diese im „ersten Quartal 2018“ festgelegt werden. Seit dem gab es bisher jedoch keinerlei Mitteilung bzgl. dieser Frist. Im Mai dieses Jahres erhielten einige Kunden plötzlich Emails, in denen Poloniex darum bat, dass die entsprechenden Nutzer ihr Konto innerhalb von 14 Tagen verifizieren sollten. Diejenigen Konten, die in diesem Zeitraum nicht verifiziert wurden, wurden daraufhin gesperrt, was zur Verblüffung einiger Kunden führte. Daraufhin gab es viele Beschwerden, selbst von Nutzern, die den Verifizierungsprozess vorgenommen hatten. Einige Konteninhaber gaben an, dass selbst nach Verifizierung und einer entsprechenden Bestätigung ihre Konten weiterhin gesperrt blieben.   

In den Nutzungsbedingungen von Poloniex bestätigt das Unternehmen als Finanzdienstleister bei der FinCEN registriert zu sein und gibt sogar die dazugehörige Nummer an. Außerdem warnt die Kryptobörse bezüglich der Datensicherheit: „Poloniex könnte verpflichtet sein, Details zur Kontonutzung an die FinCEN weitergeben zu müssen. Des Weiteren muss Poloniex ggf. Informationen an Regierungsbehörden weiterreichen, da dies gesetzlich vorgeschrieben ist.“

Weitere Kundenbeschwerden und Einschreiten des Justizministeriums

Die inoffizielle Reddit Seite des Unternehmens wird überflutet mit Einträgen von Kundenbeschwerden zur Einfrierung von Konten. Eine Vielzahl an Kunden meint sogar, dass die Kundenbetreuung entsprechende Beschwerden gezielt ignoriert. Zum Beispiel hat der Nutzer „bethonpl“ den einjährigen Geburtstag seines Support-Tickets gefeiert. Ähnliche Behauptungen tauchen auch in den Antworten auf die Twitter Einträge von Poloniex auf.

Am 9. Juli hat der Reddit Benutzer PoloniexSuit eine Petition von Change.org vorgestellt, die sich gegen Poloniex richtet. In dieser fordert er betroffene Kunden auf, sich in der Petition einzutragen, bisher taten dies jedoch erst 12 Leute. Im Sommer 2017 hatte ein anderer Poloniex Nutzer die FinCEN kontaktiert, das Ergebnis dieser Anfrage ist jedoch unbekannt. Auf dem Poloniex Reddit beschweren sich viele Kunden auch über lange Transaktionszeiten und hohe Auszahlungsdauer. Einer der Benutzer verwies dabei auf ein Auszahlungsticket, das seit Januar offen steht. Ein anderer Nutzer gibt an auf seine Auszahlung ebenfalls seit mehreren Wochen zu warten. Beide haben bisher keine Antwort von Poloniex erhalten.

Am 25. Juli wurde Cointelegraph eine Email zugespielt, in de res heißt, dass Poloniex die Aufmerksamkeit der Abteilung für Anlegerschutz (IPU) der  Justizbehörde von Delaware (DoJ) auf sich gezogen habe. In einer Bildschirmaufnahme der besagten Mail ist zu sehen, dass Craig Weldon, Chefermittler der Abteilung für Anlegerschutz, eine Vielzahl an Personen einbezogen hat (im CC der Mail befinden sich mehr als 100 Leute), die er wiederum auffordert Kontakt mit ihm aufzunehmen, falls sie Probleme mit ihrem Poloniex Konto haben.

Auf Anfrage von Cointelegraph bestätigte Carl Kanefsyk, der Pressesprecher der Justizbehörde von Delaware, dass man sich mit „Anlegern aus Delaware“ in Verbindung gesetzt habe auf Grund der „getätigten Ermittlungen“. Die Justizbehörde gab an, dass „eine Vielzahl an Krypto-Investoren“ Kontakt zu ihr aufgenommen habe, nannte dabei allerdings keine konkrete Kryptobörse. Die Behörde verweist auf „laufende Ermittlungen“ und legt keine weiteren Details offen.

„Obwohl wir keinen weiteren Kommentar zum Status der laufenden Ermittlungen abgeben können, bestätigen wir, dass eine Vielzahl von Anlegern in Kryptowährungen sich bei uns bzgl. eingefrorener Konten und schlechter Kommunikation beschwert haben. Außerdem haben einige Kryptobörsen ihre Anleger daran gehindert Auszahlungen durchführen zu können. Dies kann problematisch sein für Investoren, die ihre Gelder abheben wollen, um zeitnah einen bestimmten Kurswert realisieren zu können.“  

Der Pressesprecher der Justizbehörde Delaware forderte ortsansässige Anelger auf, weiterhin Kontakt mit seinem Büro aufzunehmen.