Pierre-Edouard Wahl von PwC: Blockchain bringt positiven Wettbewerb in die Schweiz

Cointelegraph hatte kürzlich die Gelegenheit, mit Pierre-Edouard Wahl, dem Leiter der digitalen Blockchain-Dienste bei PwC Schweiz, über das Zukunftspotential von Blockchain im Land zu sprechen,

Wahl, der erklärte, dass PwC Schweiz eng mit der Schweizer Börse SIX an der Ankündigung einer zukünftigen, auf einer Distributed Ledger basierenden digitalen Vermögenswertbörse zusammenarbeitete, erläuterte seine Überzeugung, dass Krypto verwendet werden muss, um so massentauglich zu werden, dass Leute die Kontrolle über ihre digitalen Fußabdrücke wiederbekommen.

Dieses Interview wurde bearbeitet und gekürzt.

Molly Jane: Könnten Sie uns erzählen, was Ihr Interesse an Blockchain und Kryptowährung geweckt hat?

Pierre-Edouard Wahl: Ich bin studierter Ingenieur. Ich bin nun schon einige Jahre im Blockchain-Bereich und habe eine Bitcoin-Community entdeckt, die sehr von Ideologie getrieben war. Die Community hat mich auf die Technologie gebracht, nicht umgekehrt.

Daher habe ich mich entschieden, eine B2B-Bitcoin-Börse zu eröffnen und bin in Schwierigkeiten geraten, da das zu dieser Zeit sehr schwer war. Es gab keine klare Regulierung um den Börsen-Betrieb und habe nach einem großen Banken-Partner gesucht. Leider wurden einem die Türen, wenn man Bitcoin erwähnte, immer zugeknallt - daher hat das nicht funktioniert.

Aber Credit Suise hat mich gefragt, ob ich bereit wäre, deren Blockchain-Abteilung in Schwung zu bringen. Das habe ich natürlich gerne gemacht. Ich habe drei Jahre bei Credit Suisse verbracht und bin danach gegangen. Ich dachte, ich würde wieder zurück in die Start-up-Welt kommen, aber dann dachte ich mir, dass ich eine Chance bei PwC hätte, noch viel mehr verändern zu können, als in der Start-up-Welt. Denn wir haben eine sehr beeindruckende Reichweite - ein hochgradig etabliertes Unternehmen, Vorstandsetage. Ja, das war der spannende Teil.

MJ: Wann haben Sie das erste mal von Kryptowährungen gehört?

PW: Das erste mal habe ich von Bitcoin im Jahr 2010 gehört. Tatsächlich rumprobiert habe ich mit Bitcoin im Jahr 2011 und bin 2012 in Vollzeit in diesen Bereich eingestiegen.

Ich denke, dass das eine Industrie mit einem riesigen Potenzial ist und ich wünschte, ich hätte mehr Zeit dort verbringen können. Aber ja, im Verhältnis zur Existenz der Industrie, bin ich hier schon eine ganze Weile.

MJ: Investieren Sie auch tatsächlich in die Industrie und haben Sie Bitcoin?

PW:  Ich investiere sehr viel. Ich habe meine Arbeitgeber gebeten, mich in Krypto zu bezahlen, aber das hat bis jetzt nicht wirklich geklappt.

Ich rede nicht nur daher, ich versuche, den Worten auch Taten folgen zu lassen.

MJ: Da Sie sagen, dass Sie schon eine Weile in den Markt investieren: Haben Sie schon einmal etwas mit Bitcoin gekauft? Zum Beispiel eine Pizza?

PW: Ich versuche Bitcoin zu verwenden, wo immer es geht. Ich sehe es als Möglichkeit, die Kosten zu verteilen. Also, ja, ich habe mit Bitcoin etwas gekauft.

Bei einem Treffen in San Francisco, dem SF Bitcoin-Dev Meetup, haben wir sogenannte "Bitcoin-Bomben" organisiert. Alle Teilnehmer gehen in eine Bar und fragen, ob wir in Krypto, in Bitcoin bezahlen können. Und wenn nicht, gehen wir in die nächste Bar bis wie die erste finden, bis wir eine finden, die Krypto akzeptiert.

MJ: Wie lange hat es gedauert, bis Sie eine Bar gefunden haben, die Bitcoin akzeptiert.

PW: San Francisco ist ziemlich offen, daher ging das generell ziemlich schnell. Und wir waren eine große Gruppe, daher hatten die Bars einen guten Anreiz. Und zu dieser Zeit gab es bereits BitPay, wenn sie also Dollar haben wollten, konnten sie ganz einfach ihre Dollar haben anstatt Bitcoin.  

MJ: Befürchten Sie, dass Bitcoin in den nächsten 10 Jahren eine Millionen wert sein wird und dass Sie dann dieser Kerl sind, der seine Bitcoin für einen Cocktail ausgegeben hat?

PW: Nun, er wird nur eine Million wert sein, wenn man ihn benutzt. Wenn der Kurs also auf eine Million steigt, wäre das super, aber das ist nicht meine Priorität. Meine Priorität ist es, zu versuchen, eine Welt zu unterstützen, wo Leute mehr Eigenständigkeit über ihre digitalen Fußabdrücke haben und mehr Eigenständigkeit in Sachen Redefreiheit und Freizügigkeit.

Und öffentliche Blockchains brauchen einen Token, um verschiedenen Parteien einen Anreiz zu bieten. Wenn einer dieser Token auf eine Million steigen, ist das toll für die Investoren und diese Token. Aber die Million ist nicht das letztendliche Ziel - die Million ist nur das Mittel zum Zweck.

Sie können das Interview hier sehen:

MJ: Der größte Schweizer Aktienmarkt SIX hat vor Kurzem angekündigt, nächstes Jahr eine "vollständig regulierte" Kryptobörse zu eröffnen. Könnten Sie uns etwas über die Rolle von PwC Schweiz bei dieser Ankündigung etwas erzählen?

PW: Wir waren an diesem Projekt beteiligt und sind sehr stolz darauf, Partner bei diesem neuen Abenteuer für SIX zu sein. Wir hoffen, dass das nicht nur auf das Schweizer Finanzwesen einen Einfluss haben wird, sondern auf der ganzen Welt.

Ich hoffe, dass andere Regionen diesem Beispiel folgen werden, wenn sie uns schon nicht zuvorkommen. Es ist möglich, dass ein paar Regionen ihre eigenen Börsen eröffnen, bevor wir unsere tatsächlich eröffnen. Aber wir sind wirklich sehr gespannt. Wir denken, dass das definitiv einen leichteren Zugang für institutionelle Investoren bieten wird. Und wir können - ich kann - es kaum erwarten, dass das passiert.

MJ: Erwarten Sie einen großen Enthusiasmus und Energie von der Schweizer Community in Bezug auf die digitale Vermögenswertbörse von SIX?

PW: Dieses Projekt entsprang der Nachfrage seitens der Industrie. Es fehlt eine Infrastruktur in unserer Finanzdienstleistungsindustrie - wie große und kleine Banken - und eine große Nachfrage seitens ihrer Kunden. Es waren also in Wirklichkeit die Kunden selbst, die in diesen Bereich eintreten wollten.

SIX gehört im Grunde genommen den Banken hier in der Schweiz, daher wäre es ohne deren Zustimmung auch nicht dazu gekommen oder es wäre zu der Ankündigung nicht gekommen, ohne dass die großen Aktionäre und die großen Banken in der Schweiz dem zustimmen.

MJ: Denken Sie, dass die Eröffnung einer digitalen Vermögenswertbörse durch SIX in der Schweiz dem Land dabei helfen wird, mehr Blockchain-Unternehmen zu begrüßen?

PW: Oh, das hoffen wir auf jeden Fall. Ob sie das tun wird oder nicht, weiß ich nicht. Aber hoffentlich werden den Banken mehr Infrastrukturen ermöglicht, um tatsächlich damit zu beginnen, mit diesen neuen Vermögenswertarten umzugehen. Ich erwarte das zwar, aber ich weiß es nicht mit Sicherheit.

Jetzt gerade, denke ich, ist nach wie vor mehr Klarheit von den Regulierungsbehörden nötig, damit Banken in den Bereich eintreten können. Banken haben nicht unbedingt die richtigen Anreize, um in diesen einzutreten. Manche werden natürlich die richtigen Anreize finden, aber ich denke, dass Banken damit beginnen müssen, sich Gedanken über neue Geschäftsmodelle mit dieser Technologie anstelle sich Gedanken über mehr Effizienz zu machen.

MJ: Ein Bericht von Moody's von diesem Frühjahr hat herausgefunden, dass die Schweizer Bankindustrie durch Blockchain Schaden nehmen könnte, da die Technologie grenzüberschreitende Transaktionen schneller und billiger durchführen kann. Sehen Sie einen Gegensatz darin, dass die Schweiz diese neue Technologie begrüßt, die das Potenzial hat, der Bankenindustrie Schaden zuzufügen?

PW: Ganz im Gegenteil. Ich denke, dass das dem Geschäft sogar einen Schub geben könnte. Dann können die Gebühren so hoch sein, wie sie die Gebühren festlegen wollen, solange sie nur fair sind. Und es wird einen Wettbewerb unter verschiedenen Parteien geben, die derartige Dienstleistungen anbieten wollen.

Ich denke, dass das Möglichkeiten eröffnen wird. Ja, es könnte ihrem bestehenden Geschäft Schaden zufügen, aber so ist das oft mit neuen Technologien. Entweder nimmt man diese an und zieht in Betracht, dass diese neuen Technologien neue Lösungen aufzeigen und bestehende Lösungen verbessern, oder man betrachtet dann nur die Verbesserungen und wir rennen alle in Richtung Boden, da es immer weniger Margen für alle gibt.

MJ: Könnten Sie mir darüber erzählen, was PwC Switzerland mit der Blockchain macht?

PW: Wir haben ein sehr breites Angebot an Dienstleistungen. Wir arbeiten mit Start-ups, wir arbeiten mit etablierten Unternehmen. Wir bieten - ich würde sagen, noch nicht in vollem Umfang, weil es wiederum an Klarheit ma