Bericht: Zuger Gericht schließt Schweizer Off-Grid-Miningunternehmen Envion AG

Dieser Artikel enthielt Fehlinformationen über das Antragsverfahren für Investoren von Evion im Falle einer Liquidation. Diese Fehlinformationen wurden korrigiert. Unser Redaktionsteam entschuldigt sich hiermit in aller Form bei den Lesern.

Das Kantonsgericht Zug in der Schweiz hat das Kryptomining-Unternehmen Envion AG wegen eines angeblichen unbefugten Initial Coin Offering (ICO) geschlossen, berichtete das Handelsblatt Global am 28. November.

Envion war in der Schweiz von Michael Luckow und Matthias Woestmann als netzunabhängiges Minenunternehmen gegründet worden, um dezentrale, saubere Energie wie Wasserkraft und Solarstrom für die Versorgung seiner mobilen Mining-Anlagen zu nutzen. Envion soll durch ein ICO, das Mitte Januar dieses Jahres durchgeführt wurde, rund 100 Millionen US-Dollar eingesammelt haben.

Das Projekt führte jedoch schließlich zu einem Rechtsstreit zwischen den beiden Partnern, in welchem Woestmann Luckow beschuldigte, mehr Token produziert zu haben, als ursprünglich vorgesehen war. In der Folge konzipierte Woestmann eine Kapitalerhöhung, die den Anteil von Luckow reduzierte. Der Streit mündete in ein Gerichtsverfahren.

Das Kantonsgericht Zug hat Berichten zufolge die Firma geschlossen und ihre Liquidation angeordnet, wobei es das völlige Fehlen einer Finanzabteilung oder eines Verwaltungsrates feststellte. Woestmann wirft Luckow  weiterhin vor, keine relevanten Informationen über das ICO zur Verfügung zu stellen, während Luckow Berichten zufolge erklärt, dass Woestmann immer beabsichtigt hatte, das Unternehmen in die Liquidation zu treiben.

Obwohl Luckow sich vermutlich weiterhin bemühen wird, für das Unternehmen zu kämpfen, um das ursprüngliche Konzept zu retten, haben die Finanzaufsichtsbehörden Berichten zufolge einen Bevollmächtigen ernannt, der die Liquidation umgesetzt soll.

Für ein Schadensverfahren für Anleger im Liquidationsfall wurden bisher keine Bekanntmachungen abgegeben. Liquidationen werden offiziell durch das Schweizerische Handelsamtsblatt (SHAB) bekannt gegeben, das Informationen darüber enthält, wie Anträge eingereicht werden müssen.

Die erste Untersuchung des ICO von Envion durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) hatte im Juli begonnen. Wie die Untersuchung der FINMA ergab, akzeptierte Envion während des ICO von über 30'000 Anlegern rund 100 Millionen Franken (damals rund 100,01 Millionen Dollar) als Gegenleistung für die Ausgabe der nativen Token (EVN) von Envion "in anleiheähnlicher Form".

Im Mittelpunkt der Untersuchung standen mögliche Verstöße gegen das Bankenrecht, die sich aus der potenziell unbefugten Annahme von öffentlichen Einlagen während des Token-Verkaufs ergeben.

Aktuell verzeichnete der EVN-Token im Tagesverlauf einen Preisanstieg von 186 Prozent und handelt laut CoinMarketCap mit rund 0,08 US-Dollar. Die Marktkapitalisierung des Tokens liegt bei rund 8,9 Mio. US-Dollar und das tägliche Handelsvolumen bei rund 12.000 US-Dollar liegt.