Universitäten-Wettrennen um Krypto-Vorlesungen: Möglichkeiten und Fallstricke

Wissen ist Macht, speziell im Zeitalter der Informationen, wo die Fähigkeit, "das Neue" zu verstehen, zum schlagende Wettbewerbsvorteil wird. Dies ist der Grund dafür, dass Krypto - rund ein Jahr, nachdem es in die Wahrnehmung der Massen geraten ist und lange bevor es eine breite Adaption erfahren konnte - zum Thema einer wachsenden Anzahl an Universitätskursen geworden ist. Während sich ein kleiner Teil von ihnen auf tatsächliche Kodierungen, Computerwissenschaften und die Kryptografie hinter Kryptowährungen fokussiert, geben viele von ihnen eher eine detaillierte Einführung in die Krypto-Welt, damit ein eher Business-orientiertes Publikum eine Basis erhält, um zu entscheiden, ob - und in welchem Maßstab - es sich mit Bitcoins und Blockchains befassen sollte.

In anderen Worten: Profit-orientierte Universitäten versuchen am Krypto-Hype zu kapitalisieren, indem sie öffentliche, nicht-technische Kurse über Kryptowährungen anbieten. Auch wenn viele Kurse den Studenten lediglich beibringen, Blockchains in ein Konzept einzuordnen, anstatt sie zu programmieren und zu entwerfen, berichten die Studenten, dass sie mit dem erhalten Lehrstoff bisher sehr zufrieden sind. Und obwohl viele dieser Kurse ihnen nicht unbedingt die Fähigkeit vermitteln, selbst dezentralisierte Apps und Währungen zu bauen, ist das weitergereichte Wissen essentiell, wenn Krypto von der Öffentlichkeit in Zukunft im großen Stil adaptiert werden soll.

Die Vereinigten Staaten von Amerika

Zum Großteil finden das Lehren von Krypto-Inhalten im Kontext Business-bezogener Programme statt und nur wenige Universitäten bieten spezifische Abschlüsse im Bereich Kryptowährungen und Blockchain an sich. Eine Reihe hochangesehener MBA-Programme (Master of Business Administration) in den USA haben ihrem Curriculum Kurse über Kryptowährungen hinzugefügt, damit die Studenten neben den Grundlagen der Buchhaltung, Finanzen, Unternehmensgründung und -führung auch eine Basis aus Krypto-Wissen aufbauen können. Dies ist der Fall an folgenden Institionen:

  • Stanford Graduate School of Business
  • Haas School of Business, UC Berkeley
  • NYU's Stern School of Business
  • Fuqua School of Business, Duke University
  • MIT Sloan School of Management
  • UCLA Anderson School of Management
  • Georgetown University's McDonough School of Business
  • The Wharton School (University of Pennsylvania)

Der MBA der NYU's Stern School of Business beispielsweise beinhaltet einen Kurs mit dem Titel "Digital Currency, Blockchains, and the Future of the Financial Services Industry" (Übersetzung: "Digitale Währungen, Blockchain und die Zukunft der Finanzdienstindustrie") an. Laut der Kursbeschreibung soll er den Studenten "ein besseres Verständnis der Gesetzte und Geschäfte von Blockchain-Technologie vermitteln, sowohl in der initialen Anwendung der digitalen Währung Bitcoin, als auch bei aktuellen Anwendungsmöglichkeiten und Funktionen, die derzeit erfoescht werden".

Da sich die Lehre auf das Verständnis der Anwendungsmöglichkeiten von Blockchain-Technologie konzentriert, behandeln die Vorlesungen Themen wie historische Zahlungssysteme, Funktionsweise von Blockchains, Kriminalität und Kryptowährungen sowie die Verwaltung von Bankläufen. Es gibt keinen Coding- oder Computerwissenschaft-Aspekt, was typisch für die oben aufgezählten Institutionen zu sein scheint, die ihre Studenten eher in den Grundprinzipien von Kryptowährungen und deren potenziellen Auswirkungen auf den Finanzsektor ausbilden.

Angesichts der Tatsache, dass nur drei der oben genannten Schulen ihren Kurskatalog freigaben, als Cointelegraph vor etwa einem Jahr einen ähnlichen Artikel über Blockchains und Universitäten veröffentlichte, signalisiert die aktuelle Expansion, dass die Nachfrage nach Krypto-Währungskurse wächst. Das Interessante an diesem Wachstum ist, dass es zum Großteil von den Studenten selbst vorangetrieben wird, die ihre Universitäten in einigen Fällen auffordern, neue Module, Kurse und Vorlesungen über Krypto in ihr Programm aufzunehmen.

Der MBA-Student im zweiten Jahr Itamar Orr beispielsweise sagte im April, dass der neue Kurs an der Stanford University über Kryptowährungen nur dank des Drucks von ihm selbst und 12 anderen Studenten der Graduate School of Business in das Programm aufgenommen wurde. Die Studenten hatten einen gemeinsamen Brief an die Universitätsleitung verfasst und um eine Krypto-basierte Modulerweiterung gebeten.

"Viele von uns werden Blockchain in unseren Kobs diskutieren müssen. Es macht Sinn, es zu lehren. Es gibt einen Wettbewerbsvorteil; es ist ein extra Hammer im Werkzeugkasten."

Aber auch Universitäten und Professoren selbst erkennen die wachsende öffentliche Nachfrage nach Krypto-Kursen. Eine Nachfrage, die von den Preisbewegungen der Kryptowährungen in den letzten Monaten angefeuert wird. David Yermack, Professor an der Stern School of Business der NYU, berichtete im Februar , dass der erste Hörsaal, den er für seinen Kurs Bitcoin und Kryptowährungen nutzte, eine maximale Kapazität von 180 Personen besaß und er in einen größeren Hörsaal umziehen musste, um die 225 Leute unterzubringen, die zur Vorlesung erschienen waren. Ebenso sagte Dawn Song, eine Professorin an der UC Berkeley, ihren Schülern: "Hier in dieser Klasse zu sitzen, ist eine sehr wertvolle Möglichkeit für Sie. [...] Es gibt diverse andere Studenten, die auf Ihren Platz warten."

Der Rest der Welt: MOOCs und andere Kurse

Die Nachfrage und das Angebot für Krypto-Unterricht scheint in den USA am höchsten zu sein, das heißt jedoch nicht, dass solche Kurse nicht auch an anderen Standorten angeboten werden. Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von Orten außerhalb den USA, an denen Studenten einen vollständigen Abschluss oder Qualifikationen in einem Krypto-bezogenen Themengebiet erlangen können.

In Zypern bietet die Universität Nicosia seit 2014 einen MSc in Digitalen Währungen an, als sie das erste Modul des Programms als offenen Massen-Onlinekurs (MOOC) anbot. Das Programm ist online und weltweit verfügbar und beinhaltet Vorlesungen über den Bankensektor, Regulierungen, Blockchain-Anwendungen, Finanzmärkte und digitale Währungsprogramme. Insofern ist das abgedeckte Themenfeld relativ breit und darauf ausgelegt, "Teilnehmer darauf vorzubereiten, kompetente Fachleute im Bereich der digitalen Währung zu werden".

Die University of Nicosia ist nicht der einzige Ort in Europa, an dem Studenten einen Masterabschluss in Kryptowährungen erhalten können. Die Universität Universidad de Alcalá in Spanien bieten inzwischen einen "Máster en Ethereum, Tecnología Blockchain y Cripto-Economía", welcher ein "unfassenden Training im Bereich der Blockchain-Technologie, DAOs und Smart Contracts liefern soll, einschließlich Kryptowährungen als ein spezieller und transversaler Fall von einer Dreier-Perspektive: Technologisch, ökonomisch-finanziell und regulatorisch." Einen ähnlichen, dreifachen Ansatz zu dem Thema verfolgt die Universidad Autónoma de Madrid mit ihrem Expert Master in Blockchain and Cryptoeconomics. Der Kurs von September bis Mai ist "dazu entwickelt, Professionelle mit den Basiswerkzeugen im Bereich Blockchain in drei Feldern auszustatten: Technologie, Wirtschaft und Recht."

Obwohl es sich bei seinem Abschluss eher um ein Postgraduierten-Diplom als um einen Master-Abschluss handelt, versucht die Universidad Europea Madrid, ihr Krypto-Programm speziell auf Fachleute auszurichten. Sein Postgraduate Diploma in Bitcoin und Blockchain beginnt im Oktober und dauert sechs Monate. Nach Abschluss des Kursen sollen Studenten die "technische und rechtliche Machbarkeit von Lösungen auf der Basis von Blockchain-Technologien analysieren und integrale Projekte im Zusammenhang mit Kryptowährung entwickeln können."

Ein weiteres Berufsdiplom kann am Institut für Technologie von Buenos Aires in Argentinien erworben werden. Das Diplom in Cryptoeconomies: Blockchain, Smart Contracts and Cryptocurrencies ist ebenfalls auf Leute "mit einem Basiswissen" ausgelegt, die die "Gründe, Mechanismen und disruptiven Möglichkeiten auf einem geldpolitischen, technologischen Level und als eine Möglichkeit des Investierens lernen wollen". Es beginnt am 11. Juli und dauert nur ein paar Monate, was die Tatsache unterstreicht, dass die Prioritäten des Kursen mehr darin bestehen, die Studenten in Blockchains und Kryptowährungen einzuführen, als ihnen beizubringen, wie sie selbst zu einem integralen und produktiven Teil der Krypto-Währungsindustrie werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kurzkurse, die sich an Fachleute richten und mit einem Zertifikat oder Diplom enden, weltweit immer beliebter werden. Im Februar führte die australische RMIT-Universität einen achtwöchigen Onlinekurs mit dem Titel "Developing Blockchain Strategy" ein, mit dem Studenten für rund 1,200 US-Dollar eine "Einführung in die Blockchain-Basics" erhalten, den "Umfang der breiteren Blockchain-Industrie betrachten" und schließlich erfahren, wie man "diese Erkenntnisse auf das eigene Geschäft anwendet".

Zurück in Deutschland hält die Copenhagen Business School in Dänemark seit 2016 eine einwöchige Blockchain Sommerschulkurs ab (dieses Jahr im August), der sich auf "die Anwendung von Blockchain-Technologie für das Generieren von Geschäfts- und Sozialwert" fokussiert.

In Russland haben drei Institutionen Ende 2017 Krypto-Kurse in ihr Finanzprogramm hinzugefügt: Moscow State University, die Saint Petersburg State University und die Hochschule für Wirtschaft. In der Zwischenzeit haben auch einige technische Universitäten (Moskauer Institut für Physik und Technologie, Nationale Universität für Wissenschaft und Technologie) Kurse zur Entwicklung von Kryptowährungen eingerichtet. Diese Kurse beispielsweise zeigen, wie manche Nationen den Schülern die Mittel zum Erschaffen von Blockchains vermitteln, anstatt das Phänomen nur auf konzeptioneller und finanzieller Ebene zu vermitteln.

Ausbilden - oder Geld machen?

Während es anscheinend an Krypto-Kursen und -Abschlüssen für alle Interessierten nicht zu mangeln scheint, bleibt die Frage unbeantwortet, wie wertvoll diese Kurse und Zertifikate tatsächlich sind. Ermöglichen sie den Studenten, selbst aktiv im Bereich Kryptowährungen zu werden? Eigene Blockchains zu designen? Oder liefern sie lediglich einen höheren Grad an vermarktbaren, generellen Wissen?

Wie die diskutierte Übersicht enthüllt, richten sich die meisten dieser Weiterbildungen an professionelle Geschäftsleute, die entweder ihre CVs mit einer hippen Qualifikation aufbessern wollen, oder tatsächlich entscheiden wollen, ob es einen Nährwert hat, sich mit Blockchains und Kryptowährungen auf Geschäftsbasis auseinanderzusetzen. Die Universitäten versuchen daher vermehrt, aus solchen Leuten Kapital zu schlagen und - da das vermittelte Wissen eher "grundlegend" ist - es ist fraglich, ob die zugrunde liegenden Motive rein Profit-orientiert sind oder auf einer ehrlichen Überzeugung basieren, dass das Lehren von Inhalten einen intrinsischen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Wert hat.

Selbstverständlich würde keine Universität zugeben, dass sie nur daran interessiert ist, Geld mit dem Krypto-Hype zu verdienen, auch wenn die steigende Kommerzialisierung der Universitäten darauf hindeutet. Zum Beispiel stieg zwischen 1988 und 2018 die durchschnittliche Studiengebühr für eine amerikanische private gemeinnützige Universität - dh, Harvard, NYU, Duke, Georgetown, usw. - von 15.160 US-Dollar auf 34.740 US-Dollar jährlich, was einem realen Anstieg von 129 Prozent entspricht. In England kletterten die Studiengebühren von 0 Pfund (1998) auf aktuell 9.250 Pfund innerhalb von 19 Jahren, was dazu beigetragen hat, dass Universitäten fokussierter handeln und praktische "Endziele" vermitteln, um mehr Studenten - beziehungsweise "Kunden" anzuziehen, wie ein anonymer Akademiker es ausdrückte. Dieser Prozess wurde von der Finanzkrise noch intensiviert, die für verminderte öffentliche Zuschüsse für diverse Universitäten in den USA und Großbritannien gesorgt hat, weswegen diese einen weiteren Anreiz haben, nach unabhängigen Einkommensquellen zu suchen.

Es gibt also durchaus Grund zur Annahme, dass Universitäten aufgrund ihrer wachsenden Koorporatisierung und Kommerzialisierung anbieten - vor allem wenn die Gebühren für einen Krypto-Kurs von 1.200 US-Dollar für einen achtwöchigen Kurs an der RMIT University bis hin zu 12.080 US-Dollar für ein 18-Monate-Onlineprogramm an der University of Nicosia reichen. Dennoch, die Studenten, mit denen Cointelegraph gesprochen hat, scheinen mit dem erhaltenen Lehrmaterial und Lehrstil zufrieden zu sein.

Christelle Bure, ein Direktor einer südafrikansichen Unternehmensberatung, belegt zurzeit den MSc-Kurs University of Nicosia und berichtet bereits in der Anfangsphase davon, hilfreiches Wissen vermittelt bekommen zu haben.

"Das kostenlose MOOC (Modul 1) war ein wunderbare Einführung zu Krypto und Blockchains. Es behandelte Informationen auf geschäftlicher und technischer Ebene. Offensichtlich ist es ein Intro-Kurs, aber das Wissen, das ich erhielt, war unglaublich nützlich und half mir, das Konzept zu verstehen und das Was, Wie und Warum rund um Krypto und Blockchain. "

Ein anderer Student in Nikosia, der das Programm tatsächlich abgeschlossen hat, ist der Journalist Caleb Chen, der bestätigte, dass der Abschluss neben dem Fokus auf Geld und Märkte auch kryptographische und kodierende Elemente beinhaltet. "Das Neun-Studien-Programm verfolgte zwei Wege, einen für diejenigen mit einem Entwicklerhintergrund und einen für diejenigen ohne", erklärt er. Und obwohl er die "Nicht-Entwickler-Rute" einschlug, zielte das Programm trotzdem darauf auf, Kryptografie zu verstehen und anzuwenden.

"Als Beispiel musste jeder Student seine eigenen Multi-Sig-Testnet-Transaktionen mit dem Instruktor als dritten Schlüssel in einer der Klassen erstellen und signieren, sogar im Kurs für Nicht-Entwickler. Das Programm konzentrierte sich im Allgemeinen definitiv auf das Design von Blockchains und Kryptowährungen, anstatt darauf, wie man sie programmiert oder entwickelt - obwohl ich mir vorstelle, dass das im Kurs für Entwickler-Entwickler behandelt wurde. "

Bildung = Adaption

Solche Berichterstattungen zeigen, dass, selbst wenn einige Kryptokurse eher einführend als intensiv sind, es auch solche gibt, die den Schülern eine gründliche und abwechslungsreiche Schulung in Kryptowährungen und Blockchains bieten. Wissen, das die ihnen tatsächlich helfen wird, eine aktive, anstatt passive Rolle in der Kryptoindustrie zu spielen. Während ihre Anzahl derzeit noch begrenzt ist, gibt es bestimmte Kurse, die sich speziell auf die technischen Aspekte von Krypto konzentrieren, wie die Kurse "Distributed Consensus and Blockchains", "Cryptocurrencies and Smart Contracts" und "Blockchains, Cryptocurrencies and Smart Contracts" der Cornell University, die alle von der Informatiokabteilung geleitet werden, anstatt vom SC Johnson College of Business.

Ein anderes Beispiel stammt vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), das den Kurs "Cryptocurrency Engineering & Design und Shared Public Ledgers" als Teil seiner Digital Currency Initiative betreibt. In Europa bietet die Universität von Edinburgh jetzt einen Kurs zu Blockchains and Distributed Ledgers an ihrer Fakultät für Informatik an, während die Varna Universität für Management in plant, ein Blockchain Modul ab dem akademischen Jahr 2018/19 in ihr Software-Engineering-Programm zu integrieren.

Auch wenn es vermutlich noch eine Weile dauern wird, bis andere Universitäten mit solchen Angeboten nachziehen, sind die generellen und einführenden Kurse über Krypto dennoch hilfreich - nicht nur im professionellen Sinn. Wie Daniel Diemers von PwC in einem kürzlichen Interview sagte:

“Die Adaption von neuen Technologien erfordert mehr Bildung.”

Daher ist das gesunde Wachstum an generellen und einführenden Kursen über Blockchain und Bitcoin eine willkommene Ergänzung zum Bildungsprogramm und auch wenn diese Kurse nicht unbedingt die nächste Generation von Krypto-Programmierer und -Entwicklern hervorbringen wird, bilden sie die neue Generation aus, welche für die Adaption von Produkten bereit ist, die jene Programmierer und Entwickler hervorbringen.