Wirtschaftsberater: „Die meisten Blockchain-Apps haben keinen wirklichen Nutzen“

83% aller dezentralisierten Apps (DApps) auf dem Ethereum-Netzwerk haben „keinen wirklichen Nutzen“, wie ein Experte der Wirtschaftsberatung Ernst & Young (EY) einschätzt.

Paul Brody, der Leiter für Blockchain-Innovation bei der großen Wirtschaftsberatung Ernst & Young, machte die entsprechenden Äußerungen zum Thema Digitale Vermögenswerte am 31. Mai im Rahmen des Fintech Forums der amerikanischen Börsenaufsicht SEC.

Die Veranstaltung wurde wiederum vom „Strategischen Zentrum für Innovation und Finanztechnologie“ der SEC ins Leben gerufen. Der sogenannte „Finhub” wurde im Oktober 2018 gegründet und soll der Aufsichtsbehörde dabei helfen, sich in die Fintech-Branche einzubringen und gleichsam über Themen wie Distributed-Ledger-Technologie (DLT), Kryptowährungen und Blockchain zu lernen.

Während der ersten Podiumsdiskussion der Konferenz ging Paul Brody auf die hauptsächlichen Probleme ein, die bisher bei der Implementierung der Blockchain-Technologie auftreten.

Im Zuge dessen fordert er, dass Krypto-Unternehmen „zurück zum Ursprung“ gehen sollten, um sich vor Augen zu führen, wie die Blockchain-Technologie eingesetzt werden kann, um einen tatsächlichen Mehrwert zu schaffen, anstatt bloße „Geldmacherei“ zu sein.

Dahingehend erklärt Brody, dass es der Sinn der Finanzmärkte sei, das Geld von Investoren in sinnvolle Produkte und Dienstleistungen zu verteilen. Allerdings findet er, dass dies in der Kryptobranche „noch nicht so gut“ klappt, da zum Beispiel der Großteil der DApps auf der Ethereum-Blockchain „keinen wirklichen Nutzen“ habe.

Brody beruft sich bei dieser Aussage auf Zahlen aus dem ersten Quartal 2019, die von den Analysten von DApp.com stammen. Demnach werden 14% aller Ethereum-DApps für den Handel von Kryptowährungen genutzt, während die beiden anderen großen Anwendungsbereiche bisher in Glücksspiel (44%) und Gaming (13%) zu finden sind.

Hier sieht Brody den entscheidenden Fehler der Branche, da die Technologie seiner Meinung nach für praxisbezogene Problemlösungen genutzt werden sollte, wie zum Beispiel für dezentralisierte Computer-Services, zur Tokenisierung von Immobilien oder für gänzlich neue Geschäftsmodelle. Falls es gelingt hier einen entscheidenden Mehrwert hervorzubringen, würde dies der Branche „einen langfristigen positiven Kredit einräumen“.

Ende 2018 hatte sich Brody ähnlich kritisch geäußert und meinte, dass der Hype um sogenannten Initial Coin Offerings (ICOs) der Dotcom-Blase der Internet-Startups aus den 90er Jahren gleichen würde. Die ICO-Branche würde dementsprechend sogar „schlechter dastehen als erwartet“. Ernst & Young hat gestern wiederum ihren Programmiercode für Transaktionen auf der Ethereum-Blockchain öffentlich zugänglich gemacht.