Sharia, Steuern, Engpass: Mögliche Erklärungen für Bitcoins 800-Euro-Wertanstieg

Seit letzter Woche feiert die Krypto-Gemeinschaft den Wiedereintritt von Bitcoin (BTC) in den grünen Bereich mit einem inspirierenden 800-Euro-Wertanstieg innerhalb einer Handelsstunde am 12. April.

Der plötzliche Wertanstieg für BTC wurde sowohl von Fanfaren als auch diversen Spekulationen über die Ursachen hinter dem voluminösen Handel der überragenden Kryptowährung begleitet.

Es gibt eine Reihe von Gründen für den plötzlichen Preisanstieg von Bitcoin, die anscheinend mit der Wertsteigerung der virtuellen Währung einhergehen. Nachdem die Konvertierungsrate von Bitcoin nach dem Wochenende (kurz vor Redaktionsschluss) bei 6,5934 Euro stand, ist es nun an der Zeit, sich die möglichen Faktoren genauer anzuschauen.

Engpass

Der Forbes-Finanzanalyst Charles Hayter vermutete, dass der Anstieg von einem sogenannten "Short Squeeze" auf der Krypto-Börse Bitfinex verrührt.

In Laien-Sprache bedeutet das soviel wie "Engpass". Ein Short Squeeze wird durch eine Trendwende im Aktienpreis ausgelöst, die "Short-Seller" bzw. Leerverkäufer zum Schließen ihrer Positionen zwingt und so den Aktienpreis aufgrund der Knappheit an Wertpapieren noch weiter in die Höhe treibt.

Bitcoin leidet unter baissierenden Tendenzen, seit die Kryptowährung im Dezember ihren Rekordwert von rund 16.200 Euro  verzeichnete. Da sich die Spannungen etwas beruhigten, waren die Leerverkäufer allerdings gezwungen, ihre Positionen zu schließen, um weitere Verluste zu verhindern, da Bitcoin am Donnerstag eine Rallye startete.

Als Resultat verzeichnete Bitcoin einen neuen Rekord im täglichen Handelsvolumen sowie einen weiteren für das höchste Handelsvolumen innerhalb einer Stunde, wie ein Twitter-Nutzer anmerkte:

Steuer-Abverkäufe

Es wurde viel über die Auswirkungen der nahenden Steuererklärungen auf amerikanische Anleger gesprochen. Fundstrats Tom Lee prognostizierte bereits im April einen großen Abverkauf, während sich die amerikanischen Bürger vor der Steuerbüros positionierten, im ihre Abgaben zu leisten.

Der Geschäftsführer von Dash Core Ryan Taylor sagte gegenüber CNN, dass der Preisanstieg von einer Rückkehr von Käufern an den Bitcoin-Markt herrühren könnte, die vor der Steuerdeadline am 17. April verkauft hatten. Einige Investoren könnten Steuerrabatte erfahren haben und so durchaus wieder am Markt einsteigen.

"Der Verkaufsdruck, der mit dem Steuertag verbunden ist, ist inzwischen abgeklungen. Da die Menschen ihre Steuerrückzahlungen bekommen, kann neues Geld auf den Markt kommen. "

Bitcoin scheint halal

Im Februar schrieb Cointelegraph, dass Bitcoin laut dem Scharia-Gesetz als Halal gilt, was in einem Dokument bestätigt wird, das diese Woche vom indonesischen Technologie-Startup Blossom Finance veröffentlicht wurde.

Muhammad Abu Bakar, ein Mufti oder muslimischer Rechtsexperte und Haziz, schrieb den Bericht, der Kryptowährungen weithin als halal einstufte.

Da der Bericht am Donnerstag, den 12. April veröffentlicht wurde, spekulierten einige Leute, dass muslimische Kryptowährung-Händler auf den Markt gekommen waren, was sich wiederum auf das Handelsvolumen auswirkte und zu dem Anstieg beitrug.

Weniger Verkaufsdruck

Alles in allem war das erste Quartal 2018 nicht unbedingt freundlich zu Bitcoin und Kryptowährungen im Allgemeinen. Eine Reihe an Faktoren weltweit verstärkte bescheidene Korrekturen nach den luftigen Höhen gegen Ende 2017.

Im Januar sorgte eine Reihe von irreführenden Berichten aus Südkorea für Massenunsicherheiten in den Märkten des Fernen Ostens. Da Südkorea aufgrund seiner Kimchi-Prämie ein gewisser Knotenpunkt für den Kryptowährungshandel war, sorgte die Rede von einem Handelsverbot im Land für eine Abwanderung und Chaos auf den Märkten. Auch Chinas standhafte Haltung gegenüber Kryptowährungen verstärkte sich , was negative Gefühle förderte.

Darüber hinaus äußerten sich im Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine Reihe prominenter Finanzpolitiker deutlich negativ gegenüber Kryptowährungen. Diverse prominente Sprecher forderten eine stärkere Regulierung von Kryptowährungen. Diese Forderungen wurden jedoch von der US-amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde (SEC) und der Kommission für Handelswaren und Futures (CFTC) Anfang Februar widerlegt.

Sowohl die SEC als auch die CFTC äußerten sich mit positiven Kommentaren zu Kryptowährungen und versprachen, Vorschriften einzuführen, welche die Entwicklung des Sektors fördern und gleichzeitig die Anleger vor Betrug durch betrügerische Initial Coin Offerings (ICO) schützen. Die Märkte reagierten positiv auf die Anhörung.

Weniger als einen Monat später sank Bitcoin weiter, als Berichte an die Öffentlichkeit gelangten, dass ein Anleger der abgeschalteten Börse Mt Gox BTC im Wert von über 325 Mio. Euro zur Schuldentilgung veräußert habe. Vergessen wir außerdem nicht die weit verbreiteten ICO-Werbeverbote der großen Social-Media-Plattformen Facebook und Twitter sowie Googles anstehendes Verbot der Werbung für Kryptowährungen im Juni .

All dies hat dazu geführt, dass Bitcoin "überverkauft" wurde, so Tom Lee in einem Interview mit CNBC am Freitag, den 13. April . Lee sagt, dass sich Bitcoin in einer ähnlichen Position wie Ende 2014 befindet und hält trotzdem an seiner Prognose fest, dass die führende Kryptowährung Ende des Jahres über 22.500 Euro klettern wird.

Wieder bullisch?

Wenn man Fortunes unbestätigten Berichten glauben möchte, dass der weltbekannte Investor George Soros seine Fonds-Management-Firma angeleitet hat, in Kryptowährungen zu investieren, könnte dies der Ende der fallenden Markttendenzen für Bitcoin und seine Altcoins bedeuten.

Der VC-Investor Tim Draper gießt ebenfalls Öl ins Feuer und gab bei einem Event an der Draper Universität das Statement ab, dass Bitcoin bis 2022 die 200.000 Euro-Marke durchbrechen könnte.

Kurz vor Redaktionsschluss zeigen sich Bitcoin und andere Altcoins weiterhin positiv dynamisch und die größte Kryptowährung verzeichnet einen Kurs von 6.593,4 Euro (8.157 US-Dollar)