Deutschlands erstes STO: Das steckt hinter der Token-Anleihe von Bitbond

Im Anschluss an das erste von der BaFin autorisierte deutsche Security Token Offering (STO) durch Bitbond hat der Blockchain-Rechtsexperte Andrea Bianconi auf Hackernoon eine detaillierte Analyse zu der Bedeutung des neuen Finanzinstruments veröffentlicht.

Der Jurist ist als CFO bei Thinkblocktank tätig, einem luxemburger Think Tank mit zahlreichen anerkannten Blockchain-Experten aus der ganzen Welt. Wie er am Anfang seines Textes schreibt, stelle das STO von Bitbond für ihn einen “Game Changer” dar, auf den er 12 Monate lang gewartet habe.

Dies liege vor allem an der hohen Signalwirkung, die von der Zulassung eines STO gerade in Deutschland ausgehe. Für die von Bianconi als oft konservativ beschriebenen Eigentümer von mittelständischen Unternehmen ergebe sich durch die Möglichkeit, in Deutschland mit STOs Kapital aufzunehmen, eine sichere Geldquelle.

In Anbetracht des bevorstehenden Brexit könnte Deutschland sogar STOs von Unternehmen aus anderen EU-Ländern anziehen, die früher in London nach Kapital gesucht hätten. Er schreibt:

“Berlin ist ein Top-Tech- und Krypto-Hub mit vielen sehr erfahrenen Krypto-Consultants und Rechtsberatern und der Markt für potenzielle europäische STO-Kandidaten ist in Deutschland mit seinem großen Mittelstand einfach am größten.”

Anschließend liefert Bianconi eine Analyse des STO von Bitbond, das sich auf ein detailliertes Studium des STO-Prospekts sowie einen persönlichen Austausch mit dem Justitiar des Startups Henning Franken gründet.

So funktioniert Bitbonds STO

Bei dem STO gebe Bitbond sogenannte BB1-Security Token mit einem “Hard Cap” von 100 Millionen Euro auf einer Blockchain heraus. Der Nominalwert betrage jeweils einen Euro und Bitbond garantiere im Rahmen einer digitalen Schuldverschreibung zehn Jahre lang pro Jahr eine jährliche Verzinzung von vier Prozent.

Zusätzlich werde Bitbond 60 Prozent der erwarteten Gewinne über einen variablen Zinssatz an seine STO-Investoren ausschütten. Herausgegeben werden die Bitbond-Token auf der Stellar-Blockchain.

Im Vergleich mit klassischen Schuldverschreibungen identifiziert Bianconi eine Reihe von Vorteilen der von Bitbond herausgegebenen digitalen Variante. Vor allem die Kosten lägen mit geschätzten 0,6 Prozent der Gesamtsumme bei einem Bruchteil dessen, was Unternehmen ansonsten aufwenden müssten.

Zur erwarteten Liquidität bzw. zum Investoreninteresse könne im Fall von Bitbond zwar noch keine Aussage getroffen werden, weshalb auch die Möglichkeit bestehe, dass nicht der erhoffte Gesamtbetrag von 100 Millionen Euro zusammenkomme. Das sei aber angesichts des ersten STO in Deutschland völlig normal und er erwarte über die Zeit ein größeres Interesse unter potentiellen Geldgebern. Zudem gelten Anleihen kleinerer und mittelständischer Unternehmen auch auf dem klassischen Weg als sehr illiquide.

Auf der Habenseite bei den BB1-Token stehe allerdings ganz klar die Programmierbarkeit aller Zahlungs- und Verzinzungsvorgänge über Smart Contracts, bei denen auch Wechselkursberechnungen und Transfers automatisiert werden könnten.

Was die Risiken des Bitbond-Geschäftsmodells für Teilnehmer des STO betrifft, schreibt Bianconi, das Unternehmen weise diese klar und transparent in seinem Prospekt aus.

Geschäftsmodell von Bitbond und Risiken

Für Unternehmen, die Bitbonds Plattform als Kreditnehmer nutzen wollen, bestehe ein gewisses Wechselkursrisiko. Bitbond stelle das geliehene Kapital nämlich in Form von Kryptowährung bereit, welche anschließend noch umgetauscht werden müsse. Laut Henning Franken geschehe dies jedoch in wenigen Minuten, was das Risiko eines Wertverlusts deutlich einschränke.

Zudem erhielten bereits alle deutschen und fast alle europäischen Kunden der Finanzierungsplattform inzwischen das bereitgestellte Kapital in Form der Stablecoin EURT, die 1:1 mit Euros hinterlegt sei, was das Wechselkursrisiko komplett beseitige.

Was die Zinszahlungen der Käufer der BB1-Token des STO betrifft, wird Bitbond diese über Stellar Lumens-Token (XLM) direkt in deren Wallet leisten. Für die Geldgeber besteht somit das zuvor beschriebene Wechselkursrisiko, wenn sie ihr Kapital in Fiatgeld umtauschen wollen.

Wie Bianconi kritisch anmerkt, liefert Bitbond keine Erklärung dafür, warum nicht auch hier der stabile EURT-Token zum Einsatz kommt. Aufgrund des theoretischen Risikos eines Totalverlusts wäre dies wünschenswert gewesen und sollte von den Investoren berücksichtigt werden. Auch eine ausreichende Liquidität der verwendeten XLM-Token auf den Krypto-Märkten könne von Bitbond nicht garantiert werden.

Als weiteres Risiko führt der Blockchain-Experte mögliche Fehler im Code und das Nichtvorhandensein eines Mechanismuses zur Konfliktlösung, wenn etwas bei den Blockchain-Übertragungen schief gehen sollte. Darauf weise aber Bitbond korrekt in seinem Prospekt hin.

Dem STO bescheinigt Bianconi aufgrund der attraktiven Verzinsung von vier Prozent plus variabler Gewinnbeteiligung trotz dieser Risiken gute Erfolgsaussichten. Ein Engagement durch institutionelle Investoren sieht er aufgrund des unkalkulierbaren Wechselkursrisikos durch die eingesetzten XLM-Token jedoch nicht. Eine durch eine große Investmentbank aufgelegte Stablecoin mit hoher Liquidität und guter Absicherung könne dieses Problem für künftige STOs aber beseitigen.