Erklärt: Was ist ein STO?

Erklärt: Was ist ein STO?

Cointelegraph

1.

Was ist ein STO?

STO steht für Security Token Offering (engl. Wertpapier-Token-Angebot).

Ähnlich wie bei einem Initial Coin Offering (ICO) wird einem Anleger ein Krypto-Coin oder ein Token gegeben, der seine Investition repräsentiert. Aber im Gegensatz zu einem ICO stellt ein Wertpapier-Token einen Investmentvertrag in einen zugrundeliegende Anlagenvermögenswert dar, wie beispielsweise Aktien, Anleihen, Fonds und Immobilienfonds.

Ein Wertpapier kann als ein "fungibles, handelbares Finanzinstrument, das eine Art Geldwert hat" definiert werden. Das bedeutet, es handelt sich um ein Investmentprodukt, das durch einen realen Vermögenswert, wie etwa ein Unternehmen oder eine Immobilie, unterstützt wird.

Ein Wertpapier-Token stellt somit die Eigentumsinformationen des Anlageprodukts dar, die auf einer Blockchain aufgezeichnet sind. Wenn Sie beispielsweise in traditionelle Aktien investieren, werden die Eigentumsinformationen auf einem Dokument festgehalten und als digitales Zertifikat (etwa als eine PDF-Datei) ausgegeben. Bei STOs ist es derselbe Prozess. Dieser wird aber in einer Blockchain aufgezeichnet und als Token ausgegeben.

STOs können wegen ihrer Überschneidung mit diesen beiden Methoden der Anlagefinanzierung auch als ein hybrider Ansatz zwischen Kryptowährungs-ICOs und einem traditionellen Börsengang betrachtet werden.

2.

Wie unterscheidet sich ein STO von einem ICO?

Es ist derselbe Prozess, aber die Token haben andere Merkmale.

STOs sind durch Vermögenswerte gestützt und halten sich an regulatorische Vorgaben. Die meisten ICOs hingegen präsentieren ihre Coins als Utility-Token, die den Benutzern Zugriff auf die firmeneigene Plattform oder dezentrale Anwendungen (DApps) ermöglichen. Der Zweck des Coin, so die Argumentation, liege in der Verwendung und nicht in der Investition. Daher umgehen ICO-Plattformen bestimmte rechtliche Rahmenbedingungen und müssen sich nicht registrieren oder die strengen Vorgaben der Regulierungsbehörden einhalten.

Die Eintrittsbarriere für Unternehmen zur Durchführung eines ICO ist daher viel geringer, da sie nicht all die Vorarbeiten zur Einhaltung von Regulierungen leisten müssen. Sie können ihre Coins auch einem breiteren Publikum verkaufen (bzw. Kapital aufbringen).

Einen STO durchzuführen ist viel schwieriger, da das Ziel dabei darin besteht, einen Investmentvertrag anzubieten, der unter das Wertpapierrecht fällt. Daher müssen diese Plattformen diese Vorarbeit leisten, um sicherzustellen, dass sie die geltenden Regulierungen einhalten. Typischerweise können sie auch nur über akkreditierte Investoren Kapital aufbringen, die selbst bestimmte Anforderungen erfüllen müssen.

Worin unterscheidet sich ein STO von einem ICO?

3.

Wie unterscheidet sich ein STO von einem Börsengang?

Auch hier ist es derselbe Prozess, aber STOs geben Token auf einer Blockchain aus, während bei Börsengängen Aktienzertifikate auf traditionellen Märkten ausgegeben werden.

Obwohl es sich bei beiden um regulierte Angebote handelt, werden Börsengänge nur im Zusammenhang mit privaten Unternehmen verwendet, die an die Börse gehen wollen. Im Rahmen des Börsengang-Prozesses beschaffen diese ihr Kapital durch die Ausgabe von Aktien an akkreditierte Investoren.

Bei STOs werden Token, die einen Anteil an einem Basiswert darstellen, über die Blockchain an akkreditierte Anleger ausgegeben. Das können Anteile an einem Unternehmen sein, aber mittels einer Tokenisierung kann das auch tatsächlich ein Anteil an einem beliebigen Vermögenswert sein, von dem erwartet wird, dass er Profite einbringt. Darunter fallen etwa Anteile am Eigentum an einer Immobilie, Kunst, Investmentfonds usw.

STOs sind auch kostengünstiger als Börsengänge. Bei Börsengängen zahlen die Unternehmen typischerweise hohe Brokerage- und Investment-Banking-Gebühren, um Zugang zu einer breiteren Anzahl an Investoren zu erhalten. STOs müssen dennoch auch Anwälte und Berater bezahlen. Aber sie bieten einen direkteren Zugang zum Investmentmarkt und müssen daher in der Regel keine hohen Gebühren an Investmentbanken oder Broker bezahlen. Auch die Verwaltung für STOs nach dem Angebot ist weniger umständlich und kostengünstiger als bei traditionellen Börsengängen.

Inwiefern unterscheidet sich ein STO von einem Börsengang?

4.

Wie werden STOs international definiert und reguliert?

Das hängt sehr stark von den einzelnen Regionen ab.

Die Wertpapier- und Börsenkommission (SEC) in den USA ist vielleicht die engagierteste in der Frage, wie ein Wertpapier-Token definiert wird und ob bestimmte Utility-Token tatsächlich Wertpapier-Token sind, die reguliert werden sollten.

Im Dezentrale Autonome Organisation (DOA)-Bericht vom Juli 2017 kam die SEC zu dem Schluss, dass es sich bei der DAO-ICO tatsächlich um ein Wertpapierangebot handelt, das als Investitionsvertrag betrachtet wird.

Laut der SEC werden ICOs als Wertpapiere eingestuft, wenn sie als Investitionsvertrag definiert werden. Das wurde so vom Obersten Gerichtshof entschieden und hat sich aus einem Präzedenzfall zwischen der SEC und The Howey Company ergeben.

Im nach diesem Fall benannten Howey-Test heißt es:

"Ein Investitionsvertrag ist (1) eine Geldanlage (2) in ein gemeinsames Unternehmen (3) mit einer realistischen Gewinnerwartung (4), die sich aus den unternehmerischen oder verwaltungstechnischen Anstrengungen anderer ableitet."

Der DAO-Bericht kam auch zu dem Schluss, dass "die Investition von Geld nicht in Form von Bargeld" erfolgen müsse. Und in einer Senatsanhörung am 6. Februar 2018 sagte der SEC-Vorsitzende Jay Clayton auch:

"Ich glaube, dass jedes ICO, das ich gesehen habe, ein Wertpapier ist."

Ein Gesetz, das darauf ausgerichtet ist, digitale Token vom Wertpapierrecht auszunehmen und von Steuern zu befreien, soll jedoch dem US-Kongress wieder vorgelegt werden. Das geht aus einem Tweet vom 14. Februar des US-Kongressabgeordneten Warren Davidson hervor.

#TokenTaxonomyAct Danke an alle, die sich beteiligt haben. @RepDarrenSoto und ich freuen uns auf die Überarbeitungen und darauf, diesen überparteilichen Gesetzesentwurf bald wieder vorzulegen. Wir informieren unsere Kollegen weiterhin über die dringende Notwendigkeit einer lockeren Regulierungssicherheit. #blockchain

Warren Davidson (@WarrenDavidson) 14. Februar 2019

Im Januar 2019 veröffentlichte die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA ein 50-seitiges Konsultationspapier mit dem Titel "Leitlinien zu Krypto-Vermögenswerten.

Dabei unterscheidet die FCA zwischen drei Arten von Token:

  1. Börsen-Token - "Diese werden nicht von einer zentralen Behörde herausgegeben oder unterstützt und sind für den Austausch bestimmt." Sie fallen nicht unter die Zuständigkeit der Regulierungsbehörde.
  2. Nutzungs-Token - "Diese Token gewähren den Inhabern Zugang zu einem aktuellen oder zukünftigen Produkt oder einer Dienstleistung. Diese gewähren den Inhabern aber nicht die gleichen Rechte wie sie die Inhaber haben, die durch spezifische Investments an die Token gekommen sind." Sie können darunter fallen, wenn sie als "E-Geld" definiert werden.
  3. Wertpapier-Token - "Das sind Token mit spezifischen Merkmalen, die zeigen, dass sie die Definition eines spezifischen Investment, wie etwa einer Aktie oder eines Schuldtitels, erfüllen." Sie fallen vollständig in den Geltungsbereich der FCA-Vorschriften, wenn sie die Definition eines "spezifischen Investment" erfüllen.

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht (FINMA) hat am 16. Februar 2018 ihre ICO-Richtlinien veröffentlicht und erklärt, dass jeder Fall individuell betrachtet werden müsse. Sie hat aber, ähnlich wie die FCA, Token ebenfalls in drei Gruppen eingeteilt:

  1. Zahlungs-Token - "Token können in gewissen Fällen erst mit der Zeit die notwendige Funktionalität und Akzeptanz als Zahlungsmittel entwickeln." Die FINMA behandelt solche Token zwar nicht als Wertpapiere, aber fordert dennoch die Einhaltung der Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche.
  2. Nutzungs-Token - "Token, die Zugang zu einer digitalen Nutzung oder Dienstleistung vermitteln sollen" Diese Token gelten nicht als Wertpapiere, wenn ihr einziger Zweck darin besteht, digitale Zugriffsrechte zu einer Anwendung oder Dienstleistung zu verleihen und auch nicht, wenn der Nutzungs-Token bereits zum Zeitpunkt der Ausgabe auf diese Weise verwendet werden kann.
  3. Anlage-Token - "repräsentieren Vermögenswerte wie Anteile an Realwerten, Unternehmen, Erträgen oder Anspruch auf Dividenden oder Zinszahlungen." Die FINMA betrachtet Anlage-Token als Wertpapiere, was bedeutet, dass es wertpapierrechtliche Anforderungen an den Handel mit solchen Token gibt.

Weitere Regionen, die regulierte STOs zulassen, sind unter anderem Singapur, Estland und Malta.

5.

Sind alle Regierungen gegenüber STOs offen?

Kurz gesagt, nein.

Viele Länder haben STOs (und den Kryptowährungshandel im Allgemeinen) verboten, darunter etwa China, Südkorea, Vietnam, Algerien, Marokko, Namibia, Simbabwe, Bolivien, Indien, der Libanon, Nepal, Bangladesch und Pakistan.

In anderen Ländern, wie etwa Thailand, sind die STO-Regulierungen nicht ganz so eindeutig, da die Regierungen noch unentschlossen sind, wie sie diese regulieren sollen. Die thailändische Wertpapier- und Börsenkommission (Thai SEC) hat den Schluss gezogen, dass auf Thailand bezogene STOs, die in einem internationalen Markt durchgeführt werden, gegen das Gesetz verstoßen.

Aber in einem Artikel der Bangkok Post wies Tipsuda Thavaramara, der stellvertretende Sekretär der Thailändischen SEC, darauf hin, dass die Kommission erst noch entscheiden müsse, wie STOs reguliert werden. Im Moment werde alles von Fall zu Fall geprüft.

"Im Moment haben wir noch nicht entschieden, ob STOs unter das Gesetz der Wertpapier- und Börsenkommission oder das Gesetz zu digitalen Vermögenswerten fallen. Das hängt von den Bedingungen bei den STOs und den konkreten Details in deren Whitepaper ab."

6.

Was sind die Vorteile bei einem STO?

Wir können das sowohl aus der Sicht eines ICO als auch aus der Sicht eines Börsengangs betrachten.

Im Vergleich zu einem ICO werden STOs als geringeres Risiko betrachtet, da die Wertpapiergesetze, unter die Wertpapier-Token fallen, oft Transparenz und Rechenschaftspflicht einfordern. Ein Wertpapier-Token wird auch durch einen realen Vermögenswert unterstützt, was es wesentlich einfacher macht, zu beurteilen, ob der Token im Verhältnis zum Basiswert zu einem angemessenen Preis angeboten wird oder nicht. Bei reinen Nutzungs-Token kann es schwierig sein, den wahren Wert eines Token zu beurteilen und festzustellen, ob er zu einem angemessenen Preis angeboten wird oder nicht.

Im Vergleich zu traditionellen Börsengängen ist ein STO billiger, da Zwischenhändler, wie etwa Banken und Broker, überflüssig sind. Smart Contracts reduzieren die Abhängigkeit von Anwälten, während die Blockchain den bürokratischen Aufwand reduziert. Das macht den gesamten Prozess nicht nur billiger, sondern auch schneller.

Ein in Anteile eingeteiltes Eigentum und die Möglichkeit, rund um die Uhr zu handeln, bringen zusätzliche Liquidität auf den Markt, insbesondere bei traditionell illiquiden Anlagen, wie etwa seltenen Gemälden, Immobilien und Sammlerstücken.

In einer E-Mail an das Wirtschafts- und Finanznachrichtennetzwerk CNBC sagte Dan Doney, der Mitbegründer und Geschäftsführer der Fintech-Firma Securrency:

"Die Möglichkeit, rund um die Uhr mit einer Vielzahl von Währungen handeln zu können, bietet den Anlegern sowohl Komfort als auch Liquidität."

Dieselben Eigenschaften machen den Markt auch für kleinere Investoren zugänglich, die normalerweise eher auf fortschrittlichere Anlageformen zugreifen können.

Und schließlich ist das langfristig auch gut für die Blockchain-Akzeptanz. STOs sind rechtskonform, das heißt sie werden als weniger risikobehaftet betrachtet und werden institutionelle Investoren ermutigen, einzusteigen.

Je mehr institutionelle Investoren damit beginnen, zu investieren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Markt weniger volatil wird und desto stärker wird die Blockchain-Akzeptanz vorangetrieben.

Was sind die Vorteile eines STO?

7.

Was sind die größten Herausforderungen für STOs?

Die größte Herausforderung für STO-Plattformen ist die zunehmende Regulierung.

Das bedeutet einen größeren administrativen Aufwand für diese, da Prozesse für die Verwahrung, der Nachweis des Eigentums, die Genehmigung von Börsen, Identitätsprüfung (KYC), Anti-Geldwäsche, usw. entwickelt werden müssen, um sicherzustellen, dass sie mit den anwendbaren Wertpapiergesetzen konform sind. Und obwohl der Prozess als billiger als ein traditioneller Börsengang gilt, macht die zusätzliche Vorarbeit diesen teurer und erhöht die Eintrittsbarriere im Vergleich zu Utility-ICOs.

Darüber hinaus lastet die Verantwortung für die Ausübung dieser Funktionen nun auf den Schultern des Unternehmens, da einige der Zwischenhändler, wie etwa Banken, Makler und Anwälte, überflüssig gemacht wurden, was wiederum den Verwaltungsaufwand noch weiter erhöht.

Die Regulierungen in bestimmten Regionen können auch zu Einschränkungen führen, wer in das STO investieren darf, was wiederum den Anlegerpool insgesamt reduziert.