Christoph Iwaniez, CFO von Bitwala: So baut man eine Brücke zwischen Krypto und Fiat

Bitwala, ein Blockchain-Bankdienst mit Sitz in Berlin, ist nach eigenen Angaben das europaweit erste Unternehmen, das ein Bankkonto mit eingebauter Bitcoin-Wallet anbietet.

Gegründet wurde die "Blockchain-Bank" im Oktober 2015 von Jörg von Minckwitz, Jan Goslicki und Benjamin P. Jones. Bekannte Geldgeber, wie etwa der High-Tech Gründerfonds, Coparion, Ealrybird und Alstin investierten in den vergangenen Jahren bereits mehrere Millionen in das Fintech-Unternehmen. Jetzt will die Firma über einen STO nun zeitnah zwischen 13,5 und 67,5 Millionen Euro aufbringen.

Im Gespräch mit Cointelegraph auf Deutsch erklärt der Finanzleiter bei Bitwala, Christoph Iwaniez, inwiefern Bitwala sich von Kryptobörsen und traditionellen Banken unterscheidet, wie die Blockchain-Bankdienst seine Kunden schützt, und erzählt mehr über Bitwalas neuen STO und die zukünftigen Pläne.

Cointelegraph auf Deutsch: Können Sie bitte erklären, wie Blockchain-Banking genau funktioniert und wie es sich vom traditionellen Banking unterscheidet?

Christoph Iwaniez: Bei Bitwala kann man wie gewohnt ein Bankkonto eröffnen, das von der Berliner SolarisBank gehostet wird. Es ist das weltweit erste Bankkonto, das auch eine Bitcoin-Wallet anbietet - man kann also echte Bitcoin auf der Blockchain bei uns handeln. Bitwalas Angebot unterscheidet sich von Kryptobörsen durch eine viel höhere Rechtssicherheit, Schnelligkeit und Einfachheit. Außerdem kostet der Umtausch von Euro zu Bitcoin nur 1% bei sehr engen Spreads. Es gibt dazu eine überaus reisefreundliche Bitwala Debit Card - ähnlich wie eine EC-Karte, mit der man aber weltweit an 40 Millionen teilnehmenden Stellen Geld abheben und bezahlen kann.

CT: Macht eine Bitcoin-Wallet bei einer Bank überhaupt Sinn? Auf dem ersten Blick widerspricht dies ja dem Grundgedanken Satoshi Nakamotos.

CI: Bitwala bietet die aktuell sicherste und benutzerfreundlichste Brücke zwischen Fiat und Krypto. Wir glauben, als Gateway zur tokenisierten Ökonomie eine zentrale Rolle bei der Verbreitung und der Ermöglichung eines Zugangs für immer mehr Kryptowährungs-Nutzer zu spielen. Das würde auch Satoshi verstehen.

CT: Hat die jüngste Kursentwicklung von Bitcoin Einfluss auf die Markteinführung von Bitwala? Wie werden die Kursschwankungen von Bitcoin ausgeglichen?

CI: Der Kurs des Bitcoin ist für Bitwala selbst nicht besonders relevant. Unsere Kunden haben in den vergangenen zwei Monaten schon mehr als 1 Millionen Euro in Bitcoin gehandelt. Grundsätzlichen finden wir es sogar gut, dass der Hype vorbei ist. Langfristig brauchen wir mehr nachhaltige Blockchain-Anwendungen, denen nach dem Hype die Aufmerksamkeit gelten sollte.

Noch keine eigene Banklizenz

CT: Warum betreibt Bitwala keine eigene Handelsplattform und macht dies über die SolarisBank?

CI: Wir schließen nicht aus, dass wir selbst eine Banklizenz beantragen. Aber die gegenwärtige Konstellation erfüllt alle unsere Anforderungen und Kunden aus mehr als 30 Ländern nutzen es bereits erfolgreich. Außerhalb Deutschlands haben wir die meisten Kunden in Österreich, Großbritannien, der Schweiz, Italien und Frankreich.

CT: Welchen Nutzen hat eine solche Banklizenz für Bitwala?

CI: Eine eigene Banklizenz würde es uns ermöglichen, schneller und dynamischer zusätzliche Produktfeatures anzubieten - insbesondere für unsere Krypto-interessierten Kunden. Rechtliche Hindernisse gibt es aus unserer Sicht keine, allerdings muss es sich perspektivisch auch rechnen.

Mit Blockchain gegen Betrug

CT: Sie schreiben, dass Ihre Kunden “von der hohen deutschen Rechtssicherheit profitieren” können. Wie werden Ihre Kunden vor Hackerangriffen geschützt?

CI: Zunächst sind bei uns Euro-Einlagen bis 100.000 Euro staatlich garantiert. Das bietet keine Kryptobörse so an. Dann werden die Bitcoins direkt auf die Blockchain gebucht. Das wiederum bietet keine Bank so an. Da es sich um eine Multi-Signatur-Wallet handelt, können unsere Kunden jederzeit an ihre Bitcoin ran - selbst wenn es bei uns mal Schwierigkeiten geben sollte. Umgekehrt hat Bitwala zu keinem Zeitpunkt Zugriff auf die privaten Schlüssel unserer Kunden, sprich: ein Hack bei Bitwala führt aus Kundensicht immer ins Leere.

Allerdings: Jeder muss aber auf die eigenen Schlüssel gut aufpassen und sie am besten nur auf Papier ausgedruckt aufbewahren.

CT: Wie prüft Bitwala, ob keine auf der Plattform gehandelten Bitcoins mit illegalen Aktivitäten oder Geldwäsche im Zusammenhang stehen?

CI: Da Transaktionen auf der Blockchain transparent sind, überprüfen wir automatisiert, wo die Bitcoin herkommen und wo sie hingehen. Falls zum Beispiel ein Hacker seine erbeuteten Kryptowährungen bei uns in Euro eintauscht, erhalten wir in Echtzeit eine Benachrichtigung und sperren sein Konto.

CT: Kooperieren Sie mit traditionellen Banken, z.B. um Auslandsüberweisungen durchzuführen?

CI: Das ist geplant und wird rechtzeitig bekannt gegeben.

CT: Bereits in wenigen Monaten wollen die ersten Schweizer Kryptobanken wie Seba Krypto an den Start gehen. Österreich hat Bitpanda. Die Bank Frick in Liechtenstein bietet seit Jahren Krypto-Depots an. Betrachten Sie diese Finanzinstitute nicht als Konkurrenz?

CI: Wettbewerb belebt das Geschäft. Außerdem unterscheidet sich das Produktangebot und der zentrale Kundennutzen von Bitwala im Kern deutlich von dem anderer Anbieter: Nur Bitwala bietet dem Kunden ein voll-funktionsfähiges Girokonto, das Kryptowährung und tägliche Finanzgeschäfte direkt vereint.

CT: Bekanntlich tun sich Banken schwer damit, Blockchain- und Krypto-Unternehmen ein Geschäftskonto anzubieten, und diesen damit den Zugang zur Finanzmarktinfrastruktur zu öffnen. Wie sieht es bei Bitwala aus?

CI: Das ist ein großes Thema und wir planen, schon Ende 2019 auch Geschäftskonten anzubieten.

Bitwalas STO und zukünftige Pläne

CT: Erzählen Sie bitte über Ihren STO. Wie funktioniert das genau?

CI: Wir erfinden ein deutsches Wertpapier neu, das bereits eine sehr stark akzeptiert und verwendet wird: das Genussrecht. Es lässt sich bislang aber nur schwer damit handeln und genau das werden wir ändern. Die Abkürzung STO steht dabei für “Security Token Offering” - also ein innovatives Konzept, das aus der Krypto-Szene kommt. Wir glauben daran, dass sich zukünftig viele Assets günstiger, schneller und fairer auf Basis von Token finanzieren und handeln lassen können als aktuell. Und Bitwala geht mit der Tokenisierung der eigenen Firma voran.

Bei einem Genussrecht gibt man dem Unternehmen einen Kredit, der am Ende der Laufzeit - bei uns 15 Jahre - voll zurückgezahlt wird, in unserem Fall zuzüglich 100 Prozent Coupon, also das Doppelte zurück. Als Kreditgeber ist man besser gestellt als die Eigentümer, wie etwa Aktionäre, es wären, hat aber keine Mitspracherechte. Gleichzeitig lassen wir unsere Anleger während der Laufzeit am finanziellen Erfolg von Bitwala teilhaben. Sprich: die Anleger erhalten Dividenden und Anteile an einem potentiellen Exit.

Wichtig ist hierbei noch, dass man aus einem Genussrecht nicht, wie manche es dennoch machen, einfach die Unternehmensbewertung ableiten kann, weil es unter anderem durch Rückzahlung, Verzinsung, Präferenz vor Eigenkapital und der besseren Handelbarkeit auf Token-Basis dem Stammkapital gegenüber besser gestellt ist.

CT: Warum hat Bitwala sich für diese Form der Finanzierung entschieden?

CI: Weil es gut zu uns passt: Es ist grundsolide, gleichzeitig hochinnovativ und eröffnet fair und transparent allen den Zugang zu den Chancen einer tokenisierten Ökonomie.

CT:  Sind Investoren, die schon in das Bitwala Blockchain Banking investiert haben, an dem STO beteiligt?

CI: Dazu möchten wir keine konkreten Angaben machen, aber unsere Investoren  (Alstin, HTGF, Coparion, Earlybird - CT) stehen natürlich hinter uns.

CT: Mit welchen Vorteilen wollen Sie neue Investoren im Hinblick auf das STO anlocken?

CI: Das Angebot ist an sich sehr attraktiv, gerade durch die hohe Verzinsung, die Beteiligung am Unternehmenserfolg und die Handelbarkeit. Da das Genussrecht eine Kombination aus Aktien und Anleihe darstellt, ließe es sich künftig auch in Aktien umwandeln.

CT: Die BaFin hat vor kurzem Bitbond den Handel mit virtuellen Start-up-Anteilen erlaubt. Wie ist die Zusammenarbeit mit der deutschen Finanzaufsicht in Bezug auf Ihr STO?

CI: Wir bereiten aktuell ein Wertpapierprospekt vor, das dann von der BaFin genehmigt werden muss. Wir gehen davon aus, dass der Prospekt im zweiten Quartal zur Genehmigung eingereicht wird.

CT: Welche Pläne hat Bitwala außerdem noch für dieses Jahr?

CI: Aktuell arbeitet unser bewährtes Entwickler-Team inhouse mit Hochdruck an der mobilen App, die in Kürze herauskommen wird.