Banken und die Krypto-Industrie: Asien

Bitcoin zog weltweit Interesse auf sich, als die Währung 2017 gen Himmel schoss. Finanzielle Institutionen zögern allerdings bisher damit, Krypto-Märkten einen operativen Wert zuzusprechen.

Überall dort, wo Regierungen und Banken den digitalen Markt stark einschränken, bezieht man sich auf fehlende Transparenz und mangelnde Kontrolle der Institutionen gegenüber Krypto-Börsen. Diverse Forschungsinitiativen, die von globalen Fintech-Führern ins Leben gerufen wurden, verharren in ihren Entwicklungsstadien, während offizielle Regierungsvertreter und finanzielle Akteure krampfhaft versuchen, mit der Lernkurve der neuen Technologie mitzuhalten. 

Die größten Krypto-Sorgen für globale Bänker sind nicht-begleichbare Schuldverpflichtungen von Kunden, die sich nicht vor Marktschwankungen schützen, und die Sicherheitsrisiken, die von unregulierten Börsen ausgehen, wie etwa Terrorismusfinanzierung, Betrugsoperationen, Geldwäsche und andere Finanzverbrechen.

Marktbeobachter schieben die drastischen Schwankungen am Markt auf die willkürlichen Einschränkungsmaßnahmen, die schlecht informierte Regierungskörper auf virtuelle Transaktionen verhängt haben. Regierung- und Bankenvertreter haben neben den bestehenden Regulierungen neue Anti-Geldwäsche-Gesetzte (AML) und "Know-Your-Customer"-Bedingungen veröffentlicht, welche die Transaktionen und Operationen der Krypto-Märkte steuern und für Transparenz sorgen sollen, seit Kryptowährungen die Finanzmärkte mit ihrem Entstehen gestört haben.

Während die finanziellen Institutionen Krypto-Börsen skeptisch gegenüberstehen, unterstützen sie generell das revolutionäre Potenzial von Blockchain. Mehr als 90 Zentralbanken überall auf der Welt sind aktuell damit beschäftigt, die Technologie zu erforschen und zu implementieren. Diverse Plattformen haben sich dafür eine Bank dazu gewählt, um Operationen sicherer und effizienter zu gestalten. Blockchain-Netzwerke könnten die hohe strukturellen Kosten bei Finanzdienstleistungen eliminieren, einen geteilten Ledger bieten, der das Risiko für Banken minimiert und insgesamt die regulatorischen Buchhaltungsmaßnahmen von Finanzinstituten verbessern.

Steuerbehörden, Wertpapier- und Börsenagenturen, Gläubiger und nationale Regierungen sind alle am unregulierten Krypto-Markt beteiligt - freiwillig oder nicht. Dadurch haben Anführer aus allen Sektoren einen abgestimmten Vorstoß in die neue Industrie gewagt und zukunftsgerichtete, gut-informierte Strategien angekündigt, um Regulationen im Einklang mit der Entwicklung des Marktes zu entwickeln.

Die genaue Bestimmung von Finanzinstitutionen auf dem Tech-Marktplatz ist noch unklar, wenn man sich allerdings die evolutionäre Beziehung der beiden anschaut, kann man sich ausmalen, wie eine Zukunft zwischen Banking und Fintech aussieht.

Die unten angeführte Liste basiert auf ausführlichen, aktuellen Recherchen, sollte aber in keinem Fall als komplett angesehen werden.

China 

Die chinesische Regierung ist in den letzten Monaten hart gegen Krypto-Aktivitäten vorgegangen und schlug vor, dass Banken jegliche Leistungen für Kunden mit Kryptowährungen einstellen. Tauschgeschäfte in Lokalwährungen und ICOs wurden im letzten September verbannt, als die Autoritäten damit anfingen, eine strengere und kritischere Haltung gegenüber Krypto einzunehmen.

Der Gouverneur der People's Bank of China kritisierte virtuelle Währungen in diversen Pressekonferenzen und verkündete vor kurzem, dass die Regulatoren drastischere Maßnahmen gegen Krypto-Börsen einleiten werden, aus Angst davor, dass sich die Spekulationen in der Sphäre negativ auf die Stabilität der inländischen Märkte auswirken.

Anfang März blockierten Internet-Finanzregulatoren Kundenkonten auf der sozialen Plattform Wechat, einem Nachrichtendienst, welcher China mit internationalen Krypto-Börsen und deren Kunden verbindet. Die Regierung verbot ebenfalls Werbebeiträge für Krypto auf sozialen Medien-Plattformen. Die intensiven Regulierungen und Internetzensuren in China haben diverse Handelsoperatoren zu einer Fluch aus dem Land gezwungen, vornehmlich in Krypto-Oasen wie Hong Kong, Japan und Singapur.

Im Gegensatz dazu preisen einige hochrangige chinesische Autoritäten unbeirrt Blockchain-Technologien an. Es kam sogar der Vorschlag für eine staatlich-kontrollierten Asset-Handelsplattform auf - allerdings ohne Kryptowährungen zuzulassen. 

225 Blockchain-Patente wurde in China 2017 eingereicht, mehr als in jedem anderen Land.

Andere Tech-Innovatoren scheinen durch die intensiven Regulierungshindernisse in China nicht eingeschüchtert und tatsächlich werden diverse Blockchain-Initiativen von lokalen Regierungskörpern finanziert. Die chinesische Regierung selbst gründete einen Blockchain-Industriepark in Hangzhou, dem rund 1,67 Mrd. Euro für Blockchain-Projekte zur Verfügung stehen, wovon die Regierung 30 Prozent kontrollieren soll.

Japan 

Die japanische Krypto-Industrie ist die größte der Welt, wie die japanische Kryptowährung-Business-Assoziation berichtet. Der Bericht enthüllt, dass es mehr als 3,5 Mio. aktive Krypto-Nutzer in dem Land gibt und 2017 ein Bitcoin-Volumen von rund 81 Mio. Euro gehandelt wurden.

Im April 2017 verabschiedete die japanische Regierung einen Gesetzentwurf, der die Operatoren von Krypto-Börsen verpflichtet, Krypto-Transaktionen zu vermelden, um sicherzugehen, dass die Banken die AML-Regulierungen einhalten. Die Krypto-Gemeinde arbeitet kooperativer mit der Regierung zusammen, seitdem im Januar der größte Krypto-Hack der Geschichte auf die japanische Krypto-Börse Coincheck stattfand.

Die Mitsubishi UFJ Financial Group, die viertgrößte Bank der Welt, hat seitdem angekündigt, eine eigene Kryptowährung auf den Markt zu bringen, um sichere Börsen darzubieten und die Marktschwankungen in Japan zu stabilisieren.

Anfang April stellte eine von der Regierung unterstützte Forschungsgruppe eine Reihe von Richtlinien und Regulationen zur Legalisierung von ICOs vor. Die Richtlinien könnten in einigen Jahren zu handfesten Gesetzen werden - was angesichts des gemeinschaftlichen Banns von ICOs durch die chinesische und südkoreanische Regierung nicht unbedeutend ist. Der Vorschlag erkennt ICOs als Wertanlagen an und ähnelt dem Ansatz der US-Börsenaufsicht (SEC).

Eine weitere aktuelle Entwicklungen im Krypto-Markt von Japan ist die Veröffentlichung einer mobilen App für inländische Zahlungen angetrieben von Ripple-Technologie durch das Bankenkonsortium. Die Erschaffer von Ripple arbeiten ebenfalls mit der Finanzautorität von Saudi-Arabien und Western Union zusammen, um das System für grenzübergreifende Zahlungen und Ausgleiche von Transaktionen zu nutzen.

Südkorea 

Die Finanzaufsichtsbehörden in Südkorea teilen ähnliche Bedenken wie jene in China und Japan, und leiteten im März eine Untersuchung über die Einhaltung der AML- und KYC-Richtlinien durch lokale Banken ein, da die Kryptomärkte des Landes innerhalb von sechs Monaten rasant angewachsen waren. Koreas Finanzaufsichtsbehörde untersuchte geschäftliche Krypto-Bankenkontos zum ersten Mal im Dezember. Sie verbot den anonymen Handel mit Krypto und forderte Registrierungen von Handelskonten mit echten Namen.

Ähnlich wie in China wurden ICOs Ende 2017 für Gesetzesverstöße erklärt, allerdings hält sich die koreanische Regierung die Option offen, in Zukunft ähnliche Maßnahmen zum Investorenschutz bei ICOs nach dem Beispiel der US-SEC zuzulassen.

Nichtsdestotrotz ist Südkorea eines der progressivsten Länder im Bezug auf Krypto-Politik, welche als reine Maßnahmen zum Schutz der Industrie angesehen werden. Der südkoreanische Minister für Strategie und Finanzen kündigte die Veröffentlichung eines Steuerrahmenwerkes bis Juni 2018 an .

Die Regierung verbot im März den Besitz und den Handel mit Kryptowährungen aus Angst vor Insiderhandel und Korruption. Seitdem wurden zwei hochrangige Mitarbeiter einer unbekannten Krypto-Börse wegen Veruntreuung und Betrug angeklagt.

Die koreanische Blockchain-Assoziation, welche sich offiziell im Juni 2017 formiert hatte, ist eine selbst-regulierende Gruppe aus 33 Krypto-Börsen. Die Mission zur Selbstregulierung ist eine Antwort auf die Schwierigkeiten vieler Börsen sich an die Regeln zu halten, welche die koreanische Regierung im Januar skizziert hatte.

Hong Kong 

Die Kommission für Wertanlagen und Futures (SFC) in Hong Kong warnte im Februar diverse Krypto-Plattformen vor härteren Maßnahmen gegen Börsenaktivitäten und ICOs.

Finanzregulatoren in Hong Kong gehen gemächlicher an die Politiken für den Krypto-Markt heran, als ihre chinesischen Amtskollegen. Trotz des heftigen Zustroms von Krypto-Investoren nach Hong Kong nachdem China im letzten Jahr Fiat-Börsen verboten hatte, bleibt ungeklärt, wie Hong Kong mit der intensiven Nachfrage von chinesischen Geschäften umgehen wird.

Einige ICOs könnten als Kollektivanlagen (CIS) von der SFC in Hong Kong betrachte werden und müssen vor der Annahme von Anlegern geprüft und registriert werden. Ähnlich wie US-SEC werden in Hong Kong ICOs als Wertanlagen betrachtet, die so unter geltende Wertpapiergesetze fallen.

Unterdessen haben Hong Kong und Singapur eine Blockchain-Allianz mit beinahe 20 Mitgliedsbanken ins Leben gerufen. Das Handelsnetzwerk zwischen den beiden konkurrierenden Krypto-Hubs erleichtert den Transfer von Währungen und deren Dokumentation.

Singapur 

Die Fintech-Assoziationen von Singapur und Japan hatten bereits Pläne über die Zusammenarbeit und zur "Überbrückung der Lücke" zwischen den boomenden Kryptoindustrien beider Länder angekündigt, bevor der Direktor der Börsenaufsichtsbehörde von Singapur sein Engagement für das "Projekt Ubin" im März wiederholte. Im Zuge des Projektes soll ein Blockchain-Netzwerk für internationale Zahlungen entwickelt werden.

Bisher sind Transaktionen mit Kryptowährungen in Singapur relativ unreguliert. Die Zentralbank kündigte jedoch im März an, dass sie überprüfen wird, ob Maßnahmen zum Investorenschutz nötig sind.

Die Zentralbank unterhält eine angenehme Umgebung zur Förderung und Entwicklung von Blockchain-Technologien, warnt die Anleger aber auch vor dem Risiko volatiler Kryptowährungen durch Marktspekulationen. Die Finanzregulatoren erörtern ebenfalls Pläne, die mehr regulatorische Eingriffe vorsehen, auf Angst, dass Kryptowährungen eventuell die Akzeptanz von Blockchain untergraben könnten.

"Project Ubin" schloss sich erstmals im Jahr 2016 mit R3 zusammen, um potenzielle Alternativen für finanzielle Operationen mit DLT zu finden. China und Singapur haben seitdem den ersten erfolgreichen Rohstoffhandel mit Öl über ein Blockchain-System ausgeführt.

Der Ruf nach strengeren Regulierungen zieht sich durch die Finanzautoritäten der asiatischen Länder, die sich vor volatilen Märkten fürchten.

Taiwan 

Ebenso wie in Singapur sind die taiwanesischen Finanzautoritäten damit beschäftigt, Blockchain-Tech für interne Verwendungszwecke zu untersuchen. Die Zentralbank plant, die Technologie in der Hauptstadt Taipei anzuwenden, um eine "Smart City" aufzubauen. 

Im Gegensatz zu China erlaubt Taiwan sowohl Tauschbörsen als auch ICOs. Allerdings empfiehlt die chinesische Zentralbank, dass Taiwan seine Investoren vor den potenziellen Risiken warnt und das Einhalten von AML-Standards überwacht.

Thailand

Thailands Finanzminister plant eine Kapitalertragssteuer von 15 Prozent auf Krypto-Profite, wie im März angekündigt wurden.

Der Gesetzentwurf definiert Richtlinien für Transaktionen und ICOs an und sieht vor, dass sich Krypto-Operatoren bei Finanzautoritäten registrieren. Darüber hinaus plant die Regierung die Krypto-Industrie in Thailand nicht weiter einzuschränken und zu verbieten.

Indien 

Indiens größte Privatbank HDFC verbot den Kauf von Kryptowährungen über eine Debit- oder Kreditkarte im März, um die Kunden vor Marktschwankungen "zu schützen".

Indiens Finanzminister verkündete, dass das Land Bitcoin nicht als legale Tender betrachtet und lizenzierte Krypto-Entitäten bestrafen wird, wenn sie ihr Geschäft weiterführen. Indien ist eine führende Tech-Nation, aber der Krypto-Markt in dem Land scheint wenig verstanden - allerdings scheinen die Leute sich für Blockchain-Technologien zu interessieren.

Der Bann sorgte für Kontroversen innerhalb der nationalen Krypto-Industrie, die weiterhin befürchtet, dass die strengen Regulieren die Abwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte auslösen werden und zu einer Unterentwicklung von Blockchain-Technologien im internationalen Vergleich führen werden.

Im Gegensatz zu dem strengen Operationsverbot der Regierung hatte die Reservebank Indiens Pläne für eine eigene digitale Währung angekündigt, nachdem sich die Bank am 5. April mit der Behörde für Währungspolitik getroffen hatte.

Malaysia

Krypto-Börsen in Malaysia müssen ihre Händler inzwischen identifizieren, nachdem die Regierung im Februar neue AML-Gesetzte verabschiedet hatte. Regulatoren betonten die Wichtigkeit, kriminelle Aktivitäten auf dem virtuellen Marktplatz zu bekämpfen.

Einige nationale Banken haben sich zusammengeschlossen, um mit skalierbaren Anwendungsfällen von Blockchain-Tech zu experimentieren. Malaysia hat einen der progressivsten Pläne, was die Regulierung von Blockchain angeht, und hat bereits diverse Rechtsvorschriften erlassen, die Standards für die virtuellen Börsen definieren.